A. WAS IST EIN ANTI-MISSIONAR?
Ein Anti-Missionar ist ein Rabbiner oder ein Laienmitarbeiter, der irgendwelche Kenntnisse vom Neuen Testament oder von neutestamentlicher Theologie hat. Das sind ernste und ehrliche Leute, die das Gefühl haben, die jüdische Gemeinschaft sei durch die christliche Evangelisation bedroht. Sie glauben daran so fest, daß sie ihre Zeit und ihre Leben dafür einsetzen, die christlichen Bemühungen der Evangeliumsverkündigung zu bekämpfen.
B. WAS TUN SIE?
Die Anti-Missionare halten sich für gesandt, um Juden zu retten, die in den Klauen der Kirche gefangen sind, oder schwankend gewordene Juden zu festigen, die unter den Einfluß evangelikaler Christen geraten sind. Anti-Missionare erreichen ihr Ziel, indem sie lehren, daß Jesus nicht der Messias ist und daß er nicht für die Juden da sei. Sie tun ihr Bestes, das christliche Verständnis von messianischer Prophetie zu widerlegen und die Person und das Werk des Messias abzulehnen. So lehren sie in Synagogen-Veranstaltungen, im synagogalen Unterricht und persönlichen Beratungsgesprächen.
Als ich in Seattle wohnte, kannte ich einen Anti-Missionar. Er ging so weit, daß er die Eingänge der Kirchen blockierte, in denen Veranstaltungen von "Juden für Jesus" stattfanden. Das ist heute eine heikle Angelegenheit, denn evangelikale Christen sind die besten Freunde der jüdischen Gemeinden. Das ist auch heikel, weil 80 % der Juden, die zum Herrn Jesus kamen, durch den Einfluß eines persönlichen Freundes gewonnen wurden. Wenn es zu einem Evangeliumsdienst an Juden kommt, sind Sie die Frontsoldaten.
Wir hoffen, daß Sie das Dilemma erkennen, mit dem ein Anti-Missionar konfrontiert wird. Einerseits muß er den Juden überzeugen, daß Jesus nicht der Messias ist und daß die Christen alle falsch liegen. Andererseits möchte er doch nicht die guten Beziehungen zwischen der evangelikalen und der jüdischen Gemeinde untergraben.
C. WARUM GIBT ES SIE?
Anti-missionarische Organisationen gibt es aus viererlei Gründen, die während der letzten 40 Jahre in der jüdischen Gemeinde aufgetaucht sind.
Ihre Anzahl ist in den vergangenen 40 Jahren fortwährend gewachsen. Heute gibt es mehr jüdische Gläubige, als es in 2000 Jahren gegeben hat. Die jüdischen Christen machen nur etwa ein Prozent oder weniger der gesamten jüdischen Bevölkerung aus, wir sind damit eine klare Minderheit. Der gläubige Überrest ist heutzutage sehr klein; trotzdem sieht die jüdische Gemeinschaft dessen Wachstum als erschreckend und als eine unakzeptable Entwickung an. Anti-missionarische Organisationen sind vor allem deshalb entstanden, um dieser Herausforderung zu begegnen.
D. WAS IST ZU TUN, WENN EIN FREUND EINEN ANTI-MISSIONAR HERBEIRUFT?
Dreierlei:
Dies sind nur drei Fragen, mit denen Sie sich wirklich hartnäckig auseinandersetzen müssen.
E. WAS DIESE STUDIE NICHT IST...
Was die messianische Prophetie selbst angeht, so nehme ich an, daß Sie sie kennen und imstande sind, sie Ihrem jüdischen Freund klar darzustellen. Wenn Sie das getan haben, wenn Ihr jüdischer Freund dann zum Rabbiner geht und mit einem Einwand zurück-kommt, dann sind wir da, wo diese Studie hingehört.
F. WAS DIESE STUDIE IST...
Nun gut, wenn es das war, was diese Studie nicht ist, was ist sie dann?
"Der Zweig der Theologie, der sich damit befaßt, die Wahrheit der christlichen Lehren zu verteidigen oder zu beweisen."1
Wenn Sie Gefallen an herausfordernden Einwänden haben, dann wird dieser Kurs Sie dafür mit Material beliefern. Ich werde aus jüdischer Sicht schreiben. Das heißt, ich werde Ihnen rabbinisches Material vorlegen. Dieses Material könnte für viele von Ihnen neu und fremd sein. Trotzdem möchte ich Ihnen einen Einblick verschaffen in die Art, wie die Rabbiner über Jahrhunderte hinweg mit der Schrift umgegangen sind. Sie werden die Argumentation erkennen und verstehen, wie sie zur Ablehnung der Messianität Jesu geführt hat.
1The American Heritage® Dictionary of the English Language, Fourth Edition Copyright © 2000 by Houghton Mifflin Company. Published by Houghton Mifflin Company. All rights reserved.
DER VORWURF DER ANTI-MISSIONARE:
Dieser Einwand stammt von einem Anti-Missionar bei Christianity Revealed.
Matthäus 2,6 sagt:
"Aber du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste untern den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll."
Micha 5,1 sagt:
"Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist."
Diese Verse unterscheiden sich sehr. Matthäus übersetzt den Vers nicht genau, er verändert ihn, oder die Änderung erfolgte durch das Konzil von Nicaea und Trient.
Micha sprach vom Sohn des Königs Ahas, vom König Hiskia. Im Hebräischen ist damit der mächtige Gott, der Friedefürst, der wunderbare Ratgeber, der die Herrschaft auf seiner Schulter trägt, wie in Jesaja 9 vorhergesagt, gemeint. Hiskia war der König der Juden, er war gesalbt, und in seinem Land war Frieden für viele Jahre. Er war wahrhaftig der Messias.
HADAVARS ANTWORT:
Der Anti-Missionar behauptet, daß das Zitat aus Micha 5,1 bei Matthäus nicht genau dem Text des Tanach entspricht. Dazu stellen wir fest, daß es nicht nötig ist, dies als Problem anzusehen.
Wir müssen zurückgreifen auf "Die vier Methoden, mit denen die Brith Chadaschah (das Neue Testament) die hebräische Bibel verwendet". Matthäus war nicht an Genauigkeit interessiert, sondern er wollte eher sein Verständnis von Jeschuas (Jesus) Geburt vermitteln. Er verstand es so, daß ein buchstäblicher Herrscher auseiner buchstäblichen Stadt kommen sollte, und genau das tat Jesus.
Es ist ein Beispiel von Peschat - von buchstäblicher Prophetie und buchstäblicher Erfüllung. Das ist die Auslegungsmethode, die von den Rabbinen am meisten bevorzugt wurde, wie wir uns erinnern, und wie es der Talmud in‚ Schabbat 63A' ausdrückt:
"Ein Vers darf nicht abweichen von seiner einfachen Bedeutung."
Er verweist den Leser zurück auf den Tanach, um sein Verständnis zu bestätigen. Diese Stellenangabe, obgleich wörtlich verschieden, stimmt grundsätzlich mit der hebräischen Bibel und der Septuaginta überein.1 Die Tatsache, daß er die hebräische Bibel nicht wortgetreu zitiert, ist kein Fall von Manipulation des Textes.
Was Matthäus hier vorgenommen hat, ist eine Kombination von Micha 5,1 und 2.Samuel 5,2. Indem er diese beiden Verse miteinander verbindet, bekräftigt Matthäus seine Überzeugung, daß der König, der über Israel herrschen soll, ein König und zugleich ein Hirte ist.2 Das ist übrigens der gleiche Gedanke, der 2 Verse später in Micha 5,3 ausgesprochen wird:
"Er aber wird auftreten und weiden in der Kraft des HERRN und in der Macht des HERRN, seines Gottes. Und sie werden sicher wohnen; denn er wird zur selben Zeit herrlich werden, so weit die Welt ist."3
Matthäus hätte sich nicht darum bemüht, Micha 5,1 frei zu übersetzen, wenn der Text ein genaues Verständnis vermittelt hätte. Dieses Ziel der Kommunikation war dadurch erreicht, daß ein buchstäblicher Herscher aus Bethlehem kommen sollte. Der König sollte handeln als Gottes Hirte über Israel, und Jesus ist dieser Hirte und König. Der Leser kann dann selbst in Micha Kapitel 5 nachforschen, um zu entscheiden, ob Matthäus recht hat oder nicht.
Ist nun dieser buchstäbliche Herrscher der Messias oder nicht?
Matthäus ist überzeugt, daß er es ist und daß Jesus diese Person ist. Matthäus kommt nicht allein zu dem Schluß, dieser Vers sei messianisch. Dasselbe meinte auch der Übersetzer des Targums Jonathan:
"Und du, o Bethlehem Ephrath, die du zu klein warst, um unter den Tausenden des Hauses Juda mitgezählt zu werden, aus dir soll vor mir der Messias kommen, um die Herrschaft über Israel auszuüben, dessen Name genannt wurde von der Vorzeit, von den Tagen der Schöpfung her."4
Beachten Sie bitte, daß der Targum Jonathan genau so eine freie Übersetzung von Micha 5,1 ist. Jonathan verstand den Vers als messianisch, und deshalb fügte er die Beschreibung "der Messias" hinzu, um das Verständnis zu erleichtern. Das ist genau dasselbe, was Matthäus getan hat. Diese Art der freien Wiedergabe steht in Einklang mit jüdischer Kultur und jüdischem Denken des ersten Jahrhunderts. Es ist keine Kirche, die "den Text manipuliert" hat.
Zusätzlich zum Targum Jonathan wollen wir hören, was der Rabbiner David Kimchi über Micha 2,1 sagte:
"… aus dir soll mir ein Richter kommen, der der Herrscher in Israel ist, und das ist der König Messias."
Der palästinische Targum übersetzt diesen Vers auf ähnliche Weise:
"Aus dir, Bethlehem, soll der Messias hervorkommen vor mir, um über Israel die Herrschaft auszuüben."
In den‚ Soncino Books of the Bible' wird das Kapitel 5 mit diesen Worten zusammengefaßt:
"Eine Prophetie über den messianischen König und Israels Schicksal unter den Nationen."
In diesem Kommentar werden die Verse 1-5 überschrieben "Der messianische König". Der erste Satz des Kommentators, Rabbiner Goldmann, fängt an mit "Diese Prophetie vom Messias …" Rabbiner Goldmann kommentiert auch die Worte "von Anfang" (oder "seit uralten Zeiten"), und sagt:
"Möglicherweise entstand durch diese Aussage die spätere jüdische Lehre, daß der Messias in Gottes Gedanken als Teil im Plan des Schöpfers seit undenklichen Zeiten existierte, seit Beginn des Universums. Im Talmud gehört der Name des Messias zu den sieben Dingen, die vor Erschaffung der Welt ins Dasein gerufen wurden."
Dr. Alfred Edersheim (ein messianisch-jüdischer Gelehrter) stellt dasselbe fest. In seinem Buch The Life and Times of Jesus the Messiah schreibt er, daß dieses Wort seinem Wesen nach messianisch ist, und verweist den Leser an die Pirqe des Rabbi Elieser.
Wir denken, es ist fair zu sagen, das ist eine messianische Prophezeiung. Es ist eine Tatsache, daß die messianische Prophetie von der rabbinischen Literatur gut unterstützt wird.
Aber bezieht sie sich auf Jesus?
Wir meinen ja.
Warum?
Als erstes ist die Sprache, die zur Beschreibung der Herkunft des Herrschers verwendet wird, viel zu kräftig ist, um auf einen Menschen wie Hiskia angewendet zu werden. Wir denken, Rabbiner Goldmanns Ansicht wird durch die Ansicht unterstützt, daß die kräftige Sprache den künftigen Herrscher beschreibt. Dazu benutzt der hebräische Ausdruck, der mit "von Ewigkeit her" (oder "seit den Tagen der Ewigkeit") übersetzt wird, die stärksten hebräischen Wörter für ewige Vergangenheit. Diese Wörter werden auch in Psalm 90,2 mit Bezug auf Gott gebraucht. In diesem Psalm wird Gott beschrieben als "von Ewigkeit zu Ewigkeit". Von Ewigkeit zu Ewigkeit ist die Übersetzung, die die Tanach-Version verwendet. Der Tanach ist die am meisten gebrauchte englische Übersetzung von der Jewish Publication Society. Ihre ältere Übersetzung braucht die Form "immer und ewig" ("everlasting to everlasting"). Die gleiche Ausdrucksweise wird von der personifizierten Weisheit Gottes in Sprüche 8,22-23 gebraucht. Die ältere Version der Jewish Publication Society nimmt den Ausdruck "seit jeher" ("from everlasting") für die Beschreibung der Weisheit Gottes.
Der Tanach übersetzt die Wörter:
"in ferner Vergangenheit, am Anfang, beim Ursprung der Erde."5
Hiskias Ursprünge sind nicht aus einer ewigen Vergangenheit oder seit der Entstehung der Erde. Hiskai kann hier nicht gemeint sein. Aber nach der Botschaft des Neuen Testaments paßt Jesus zu diesen Angaben, die Beschreibung paßt zu Ihm. Das Neue Testament lehrt, daß Jesus seit ewiger Vergangenheit existiert. Beispiele dazu finden wir in Johannes 1,1 und 1,14.
Joh. 1,1:
"Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war dasWort."Joh. 1,14:
"Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit."
Bei der Erschaffung der Erde war Jeschua dabei. Das Neue Testament sagt aus, daß Er die Erde schuf:
Joh. 1,10:
"Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht, aber die Welt erkannte ihn nicht."
Jeschua war da, als die Erde geschaffen wurde. Er existierte von ewiger Vergangenheit an. Genau das lesen wir in Joh. 1.1. Das sagte Jesus auch von sich selbst in Joh. 8,58:
"Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham wurde, bin ich."
Er versichert, daß Sein Ursprung in der Ewigkeit ist. Wenn Er das sagt, dann ist Er entweder ein Lügner, ein Verrückter, oder Er ist der Sohn Gottes. Da gibt es keinen Platz dazwischen. Doch die Worte des Neuen Testaments beschreiben keinen Lügner oder Verrückten. Die Worte Jesu und Seine Geschichte haben unzählige Tausende Menschen gesegnet. Das Neue Testament erzählt nicht die Geschichte eines Lügners oder eines Verrückten. Uns bleibt nur die eine Option, daß Jesus der Sohn Gottes ist, der von Ewigkeit her existierte.
Können wir dasselbe von Hiskia sagen? Hiskia kommt der Erfüllung dieser Anforderungen nicht annähernd nach. Auch Matthäus und die anderen jüdischen Autoren des Neuen Testaments waren nicht dieser Meinung. Darum schrieben sie das Neue Testament, weil sie die Sache mit Jesus darstellen wollten. Wir sind nicht allein, wenn wir annehmen, daß Hiskia kein guter Kandidat dafür ist, der Messias zu sein.
So dachte auch Rabbi Joseph in Sanhedrin 99a. Rabbi Joseph befindet sich in einer Diskussion mit Rabbi Hillel, in der es um das Sacharja-Buch geht. Das Gespräch beginnt mit Rabbi Hillels Position:
"Rabbi Hillel sagte: Es wird keinen Messias mehr für Israel geben, denn sie haben sich seiner bereits in den Tagen Hiskias erfreut."6
Mit anderen Worten, Rabbi Hillel sagte, Hiskia war der Messias. Er war gekommen und auch wieder gegangen, und in der Zukunft wird es für Israel keinen Messias mehr geben.
Die Antwort darauf war:
"Rabbi Joseph sagte: Möge Gott ihm vergeben (dafür, daß er so redete)."7
Rabbi Joseph war ganz erregt über Rabbi Hillels Ansicht, daß Hiskia der Messias war. Ich tadele ihn nicht dafür, denn Hiskia ist ein schlechter Anwärter darauf, Messias zu sein. Zugegeben, Hiskia war der frömmste König, den Israel jemals hatte, und sein Charakter wird gelobt in 2.Könige 18,5:
"Er vertraute dem HERRN, dem Gott Israels, so daß unter allen Königen von Juda seinesgleichen nach ihm nicht war noch vor ihm gewesen ist."
Jedoch hatte Hiskia im Gegensatz zu seiner Frömmigkeit eine rebellische Strähne von Stolz in seinem Charakter. 2.Chronik 32,24-25 enthüllt diese dunkle Charaktereigenschaft:
"Zu dieser Zeit wurde Hiskia todkrank; und er betete zum HERRN. Der redete mit ihm und tat an ihm ein Wunder. Aber Hiskia vergalt nicht nach dem, was ihm geschehen war; denn sein Herz überhob sich. Darum kam der Zorn über ihn und über Juda und Jerusalem."8
Hiskia war allzu menschlich und kein guter Kandidat für den Messias. Er rang mit der Sünde, und seine Herkunft war nicht aus einer ewigen Vergangenheit. Jesus ist ein viel besserer Kandidat. Wenn wir sagen, der Ursprung des Messias liegt in der ewigen Vergangenheit, so ist das kein irgendwie heidnischer oder "christlicher" Ursprung. Der israelische Gelehrte Raphael Patai widmet ein ganzes Kapitel seines Buches The Messiah Texts mit dem Namen "Präexistenz und Namen des Messias" diesem Thema. Er erklärt den Begriff und bringt dann auf zwei Seiten acht rabbinische Zitate, die den Gedanken der Präexistenz des Messias unterstützen. Das ist kein Gedanke, der dem jüdischen Volke fremd ist. Es ist auch keine "Textmanipulation" der Kirche. Die Folgen alles dessen sind umwerfend.
Jesus erfüllt die biblischen Vorgaben. Jesus ist unser lange erwarteter Messias.
1 Jamieson, R., Fausset, A. R., Fausset, A. R., Brown, D., & Brown, D. (1997). A commentary, critical and explanatory, on the Old and New Testaments. On spine: Critical and explanatory commentary. (Mt 2:6). Oak Harbor, WA: Logos Research Systems, Inc.
2 New Geneva study Bible. 1997, c1995. C1995 by Foundation for Reformation. (electronic ed.) (Mt 2:6). Nashville: Thomas Nelson.
3 Jewish Publication Society. (1997, c1985). Tanakh: The Holy Scriptures : A new translation of the Holy Scriptures according to the traditional Hebrew text. Title facing t.p.: Torah, Nevi'im, Kethuvim = Torah, Nevi'im, Ketuvim. (Mic 5:3). Philadelphia: Jewish Publication Society.
4 Huckel, T. (1998). The Rabbinic Messiah (Mic 5:2). Philadelphia: Hananeel House.
5 Jewish Publication Society (1997, c1985) Tanakh: The Holy Scriptures : A new translation of the Holy Scriptures according to the traditional Hebrew text. Title facing t.p.: Torah, Nevi'im, Kethuvim = Torah, Nevi'im, Ketuvim. (Pr 8:23). Philadelphia: Jewish Publication Society.
6 The Soncino Talmud (©1973 Judaica Press, Inc. and ©1965, 1967, 1977, 1983, 1984, 1987, 1988, & 1990 Soncino Press, Ltd.) is a product of Judaica Press, Inc. Brooklyn, NY, and, if included, is incorporated herein pursuant to exclusive license.
7 Ibid.
8 New American Standard Bible: 1995 update. 1995 (2 Ch 32:24). LaHabra, CA: The Lockman Foundation.
DER VORWURF DER ANTI-MISSIONARE:
In Lukas 24,46-47 berichtet uns Lukas, daß Jesus am dritten Tage auferstand:
„So steht's geschrieben, daß Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; und daß gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Fangt an in Jerusalem."
Paulus schrieb in 1.Korinther 15,4:
„… und daß er begraben worden ist; und daß er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift"
Aber die hebräische Schrift sagt uns etwas ganz anderes. Hosea 5,15 beschreibt die Szene und erklärt die Lage sehr deutlich:
„Ich (Gott) will wieder an meinen Ort gehen, bis sie ihre Schuld erkennen und mein Angesicht suchen; wenn's ihnen übel ergeht, so werden sie mich suchen."
Hosea erklärt in Vers 15, daß Gott eine klare Botschaft an Israel durch Seine Propheten sandte: Ihr habt gehört und doch verweigert, Buße zu tun, darum hat Mein Angebot für euch die Todesstrafe zur Folge. Wie könnte ich euch rechtfertigen nach einer solchen Herausforderung?" Dann sagt Hosea in Kapitel 6,1-2:
„Kommt, wir wollen wieder zum HERRN; denn er hat uns zerrissen, er wird uns auch heilen. Er hat uns geschlagen, er wird uns auch verbinden. Er macht uns lebendig nach zwei Tagen, er wird uns am dritten Tage aufrichten, daß wir vor ihm leben werden."
Wir bezieht sich hier natürlich auf das Volk Israel.
HADAVARS ANTWORT:
Der Anti-Missionar hat völlig recht.
Wir sind keinen Augenblick der Meinung, Paulus oder Lukas haben an Hosea 2,6 gedacht, wenn sie schrieben: "und Jesus wurde begraben und stand am dritten Tage wieder auf nach der Schrift." Die Stelle bei Hosea bezieht sich nicht auf Jeschuas (Jesus) Auferstehung am dritten Tage. Dies ist ein Beispiel für ein "Strohmann"-Argument. Was ist das? Ein "Strohmann"-Argument ist ein Argument, das absichtlich aufgestellt wird, um dann leicht widerlegt oder ad absurdum geführt zu werden. Statt dessen verweisen Paulus und Lukas auf das Buch Jona 1,15 -2,11. Da wird Jona ins Wasser geworfen, befindet sich im Bauch eines großen Fisches drei Tage und drei Nächte, wurde wieder auferweckt und dann ausgespien. Er hatte ein ähnliches Erlebnis wie das, welches Jeschua hatte. Das ist ein Beispiel von wörtlicher Prophetie und typischer Erfüllung (Rémes).
Jona ist ein Typus. Das Wort "Typus" wird allgemein verwendet,um auf die Ähnlichkeit zwischen etwas Gegenwärtigem und etwas Zukünftigem hinzuweisen. Dabei ist das Zukünftige der "Antitypus". Im Kapitel 1 des Jonabuches finden wir das, worauf sich Paulus und Lukas mit "geschrieben … nach der Schrift" beziehen. In Jona 2,1 lesen wir:
„Aber der HERR ließ einen großen Fisch kommen, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte."
Paulus und Lukas verwenden Jona auf diese Weise, weil Jeschua diesen Vers genau so in Matth. 12,40 benützte:
„Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein."
Dazu hören Sie auf Jeschuas Worte aus Lukas 11,30:
„Denn wie Jona ein Zeichen war für die Leute von Ninive, so wird es auch der Menschensohn sein für dieses Geschlecht."
Das Zeichen, auf das Jeschua Bezug nimmt, ist das Zeichen der Auferstehung. Der auferstandene Jona war ein Zeichen für die Niniviter. Der auferstandene Jesus war ein Zeichen für Israel. Zusammenfassend war Paulus auf der richtigen Fährte, wenn er bemerkte "nach der Schrift". Der Einwand verfehlt das Ziel, denn er begründet sich auf dem falschen Bibelvers. Wir sollten unsere Richtung dahin einschlagen, was die Brith Chadaschah (das Neue Testament) zu sagen hat über den „dreitten Tag". Die Brith Chadaschah verweist und an Jona und nicht an Hosea.
DER VORWURF DER ANTI-MISSIONARE:
Die deutsche Bibelübersetzung und der Tanach sagen beide in Sacharja 12,10: „Und sie werden mich ansehen, den sie durchbohrt haben." Als Johannes in Joh. 19,37 Sacharja 12,10 zitierte, änderte er das und sagte: „Sie werden den (anstatt mich) ansehen, den sie durchbohrt haben."
HADAVARS ANTWORT:
Johannes versteht Sacharja 12,10 als buchstäbliche Prophetie und buchstäbliche Erfüllung, siehe Die vier Methoden, mit denen die Brith Chadaschah (das Neue Testament) die hebräische Bibel anwendet. Das ist eine Prophetie, die zur Wiederkunft gehört, siehe Die vier Kategorien der messianischen Prophetie. Johannes ist überzeugt, daß Jesus Gott selbst ist, der in Israel erschienen ist und als Mensch lebte, als die messianische Person. Dann teilt er uns mit, wie er das Geschehen verstand, dessen Zeuge er geworden war, als Jesus von dem Speer des Römers durchbohrt wurde. Er wußte, die messianische Person mußte nach Sach. 12,10 durchbohrt werden. Er glaubte, daß Jesus diese messianische Person war. Als er sah, wie Jesus von dem römischen Soldaten durchstochen wurde, verstand er diesen Augenblick als buchstäbliche Erfüllung dessen, was in Sach. 12,10 vorhergesagt war.
Johannes änderte den hebräischen Text leicht ab, um sein Verständnis zu erleichtern. Hier machte er einen Targum. Er übersetzte den Text auf erklärende Weise. Er änderte ihn leicht ab, aber das stimmt völlig überein mit der damaligen jüdischen Kultur des ersten Jahr-hunderts. Johannes zitiert hier nicht die Septuaginta. Offensichtlich übersetzt er den Vers persönlich. Im hebräischen Text steht wörtlich: „Sie werden mich ansehen, den sie durchbohrt haben." Johannes übersetzt den Vers ins Griechische auf diese Weise: Sie werden sehen, den sie durchbohrt haben." Ich gebe zu, viele Übersetzungen tun Johannes einen schlechten Dienst, wenn sie hier bei sehen „den" oder „ihn" hinzufügen, denn das steht so nicht da. Sie übersetzen zumeist „auf den sehen, welchen" oder ähnlich. Das ist eine erklärende Übersetzungsmethode, mit der für den Einwand der Anti-Missionare leider Material geliefert wird. Der Einwand verschwindet, wenn man den griechischen Originaltext ansieht. Eine erklärende Übersetzung macht es für einen Rabbiner einfacher, darüber zu streiten. Aber richtig übersetzt erfüllen die Worte des Johannes ihren Zweck und vermitteln sein Verständnis dessen, was geschah. Jesus ist der Durchbohrte. Jesus ist der Messias. Jesus ist der, den Israel sehen wird. Der persönliche Targum der Johannes erklärt diesen Vers so.
Dieses Handeln des Johannes stimmt mit der jüdischen Kultur des ersten Jahrhunderts überein. Johannes weist den Leser zu Sacharja, so daß er die Schrift erforschen und dann Selbst entscheiden kann, ob Johannes korrekt ist oder nicht. Nun müssen wir die Frage stellen: Hat Johannes recht, wenn er diesen Vers als messianisch ansieht?
Johannes ist nicht der einzige, der hier eine Bezugnahme auf die messianische Person sieht. In alter Zeit haben die jüdischen Weisen den Text ebenso verstanden. Hier folgen einige Zitate aus der rabbinischen Literatur.
Babylonischer Talmud, Sukkah 52a:
Es stimmt gut überein mit dem, der erklärt, daß die Ursache (für das Trauern) die Ermordung des Messias, des Sohnes Josephs, ist, weil das gut übereinstimmt mit dem Schriftvers: „ Und sie werden mich ansehen, den sie durchbohrt haben, und sie werden um ihn klagen, wie man klagt um ein einziges Kind."1
Jerusalem Talmud, Sukkah 52a:
Und das Land wird klagen, ein jedes Geschlecht besonders (Sach. 12,12). Zwei haben diesen Vers ausgelegt. Einer sagte: „Das ist das Klagen über den Messias", und der andere sagte: „ Das ist das Klagen über den bösen Trieb" (der von Gott in den Tagen des Messias getötet werden wird).2
Babylonischer Talmud, Sukkah 52a:
… und das Land wird klagen (Sach. 12,12). Was ist der Grund für dieses Klagen? R. Dosa und die Rabbinen sind verschiedener Ansicht. R. Dosa sagt: „(Sie werden klagen) über den Messias, der ermordet wird", und die Rabbinen sagen: „(Sie werden klagen) über den bösen Trieb, der getötet wird (in den Tagen des Messias) …"3
Raschi (und auch RaDak):
Unsere Rabbinen erklärten es als den Messias, den Sohn Josephs, betreffend.4
Rabbi Moses Alschech:
„Sie werden sehen auf mich, denn sie werden ihre Augen zu mir erheben in perfekter Buße, wenn sie sehen den, welchen sie durchbohrt haben, das ist der Messias, der Sohn Josephs; denn unsere Rabbinen seligen Angedenkens haben gesagt, daß Er alle Schuld Israels auf sich nehmen wird und in dem Krieg erschlagen wird, um Sühnung zu schaffen auf diese Weise, so daß es angerechnet wird, als ob Israel ihn durchbohrt habe, denn er ist für ihre Sünden gestorben. Darum, damit ihnen das als eine vollkmmene Sühnung zugerechnet wird, werden sie Buße tun und auf den Gelobten blicken, und sie werden sagen, da ist niemand außer ihm, der denen vergibt, die um ihn trauern, weil er für ihre Sünden starb. Das ist die Bedeutung von „sie werden mich ansehen".5
Es scheint so, als ob Johannes in guter Gesellschaft ist, wenn er uns sein Verständnis dieses Ereignisses mitteilt. Er glaubt, daß hier auf die messianische Person Bezug genommen wird, und dasselbe tun andere, geachtete jüdische Kommentatoren. Johannes sieht in Jesus den Erfüller der Rolle des Messias ben Joseph. „Messias ben Joseph" ist der Name für den „Leidenden Messias".
1 How to Recognise the Messiah, (Johannesburg: Good News Society, 2000), p. 16
2 Patai, Raphael, The Messiah Texts, (New York, New York: Avon Books, 1979), p. 167
3 Ibid.
4 How to Recognise the Messiah, p. 16
5 Ibid, pp. 16-17
DER VORWURF DER ANTI-MISSIONARE:
Der jüdische Tanach, der die Zeitform der Gegenwart verwendet, sagt:
„Darum wird der Herr dir von sich aus ein Zeichen geben; siehe, die junge Frau (alma) bekommt ein Kind, und sie wird einen Sohn gebären und dessen Namen Immanuel nennen."
Die griechische Septuaginta veränderte das hebräische Wort alma für eine junge Frau in Jungfrau und brachte es in die Zeitform der Zukunft. Diese zwei Änderungen geben der Prophezeiung eine christliche Richtung. So sagt Matthäus 1,(22-)23:
„Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben."
HADAVARS ANTWORT:
Dieser Anti-Missionar hat völlig recht.
Das Zeichen, das Israel verheißen wurde, enthält die Wendung „die junge Frau / Jungfrau bekommt ein Kind". Im hebräischen Original ist die Verheißung an Israel in der Gegenwart gegeben. Der Tanach in seiner englischen Version übersetzt das Hebräische richtig „sie bekommt ein Kind". Aber das Zeichen ist noch nicht gegeben worden. Das Geben des Zeichens erfolgt erst in der Zukunft. Das Zeichen „junge Frau / Jungfrau bekommt ein Kind" wird erst irgendwann in der Zukunft eintreffen. Dieses Zeichen wird nicht erscheinen, bis einige Zeit nach dem Gespräch Jesajas mit König Ahas vergangen ist.
Beginnen müssen wir unsere Analyse des Zeichens vor der Redewendung „bekommt ein Kind", nämlich bei „wird dir ein Zeichen geben". Das Verb, das mit „wird geben" übersetzt ist, steht im Hebräischen im Imperfekt. Das Imperfekt beschreibt eine unvollendete Handlung. Verse mit Imperfekt werden zu Recht so übersetzt, als ob die Ereignisse erst in der Zukunft vollendet werden. Die Übersetzer der Septuaginta trafen eine richtige Entscheidung und übersetzten das Verb in der griechischen Bibel im Futur. Diese Übersetzung ist angemessen, denn das Zeichen ist für die Zukunft verheißen, grammatisch und nach dem Zusammenhang. Die jüdischen Übersetzer benützen einfach einen Targum, eine erklärende Übersetzung. Mit dem Zeitrahmen für das bestimmte Zeichen müssen wir jetzt das Zeichen selbst analysieren.
Was ist nun das Zeichen? Lassen Sie uns anfangen mit dem hebräischen bestimmten Artikel. Genau der wird in unserem Text verwendet. Da steht also „die Jungfrau" und nicht „eine Jungfrau" wie in der deutschen Lutherbibel. Das zeigt an, daß eine bestimmte Jungfrau gemeint ist. „Die Jungfrau" ist schwanger. Aber noch mehr, sie gebiert einen Sohn und nennt ihn „Gott mit uns". Jawohl, Jesaja schreibt das Wort „gebären" selbst in der Gegenwart. Diese Geburt findet in der Gegenwart statt. Jesaja kann das so schreiben, weil er die Geburt vom Standpunkt eines Propheten sieht, unabhängig von Raum und Zeit. Er sieht die wirkliche Geburt so, wie sie in der Zukunft geschehen wird. Es ist zweifelhaft, ob er zu diesem Zeitpunkt die Geburt des Kindes in seiner Gegenwart sah. Falls das so war, dann muß er sie unter freien Himmel, an einem öffentlichen Ort, gesehen haben. Dann sah er diese Geburt „am Ende der Wasserleitung des oberen Teiches, an der Straße beim Acker des Walkers" (Jes. 7,3). Auch Ahas und sein Gefolge müssen nach Jes. 7,3 dabei gewesen und zugesehen haben. Der Textzusammenhang beschreibt eine Art von öffentlicher Szene. Vielleicht hat Ahas die Wasserversorgung Jerusalems inspiziert während der Vorbereitung auf den nächsten Konflikt mit Aram und Israel (Jes. 7,1-2). Es ist aber sehr unwahrscheinlich, daß eine Frau in dieser Situation ein Kind zur Welt gebracht hätte.
Wie erkären wir uns das Wort? Ich denke, die Erklärung liegt darin, daß Jesaja ein zukünftiges Ereignis vor seinem „geistigen Auge" sah. Er kann es sehen, wie es in der Zukunft geschieht, weil er als Prophet die Fähigkeit dazu hat. Zusätzlich muß diese Geburt ein „Zeichen" sein. Der Wort „Zeichen" bezieht sich entweder auf das ungewöhnliche Ereignis selbst, oder es deutet irgenwie auf ein solches Ereignis. Es kann rückwärts deuten auf ein historisches Ereignis wie beispielsweise die Steine im Jordan (Jos. 4,5-6). Ein Zeichen kann auch nach vorn deuten auf eine Verheißung wie z.B. auf die dornenlose, zukünftige Welt (Jes. 55,13).1
Der Text will klar machen, daß diese Geburt ungewöhnlich sein muß. Sie muß sich als ein Zeichen erkennen lassen. Ein Mädchen, das keine Jungfrau ist, eine junge Frau, die ein Kind gebiert, ist kein ungewöhnliches Ereignis. Das geschieht jeden Tag. Das ist bei meiner Tochter bereits viermal geschehen. Es bezieht sich nicht auf eine junge Frau, die an einem öffentlichen Ort ein Kind zur Welt bringt. Dieses Zeichen ist eine Jungfrau, die ein Kind gebiert. Der physische Zustand der Frau ist das Zeichen, und nicht der Ort der Geburt. Der physische Ort wird in Micha 5,1 erwähnt, nämlich Behtlehem, aber darum geht es hier nicht. Eine Frau, die Jungfrau ist und ein Kind zur Welt bringt, ist ein Zeichen. Das passiert nicht alle Tage.
Die Anti-Missionare behaupten, die Septuaginta habe den Text verfälscht, indem sie das Präsens ins Futur, also die Gegenwart in die Zukunft abänderte. Ich habe bereits gezeigt, daß die Gelehrten, die Jes. 7,14 ins Griechische übersetzten, dafür eine zulässige Entscheidung trafen. Wenn das Fälschung war, dann wurde sie von den jüdischen Rabbinen begangen. Die Septuaginta gab es lange, bevor Jesus erschien. Diese Übersetzung stammt etwa aus den Jahren 285 - 244 vor Christus. Zu dieser Zeit war keine "christliche Beeinflussung" möglich. Die jüdischen Gelehrten, die die Septuaginta übersetzten, verstanden den Text so, daß er von der Zukunft und von einer Jungfrau spricht. Entsprechend ihrem Verständnis des hebräischen Textes übersetzten sie ihn. Sie übersezten ihn nicht in Übereinstimmung mit einem nirgends existierenden „christlichen" Verständnis. Außerdem brauchen wir nicht die Septuaginta, um zu erkennen, daß das hebräische Wort alma eine Jungfrau meint. Eine Wortstudie von alma genügt dazu.
Im biblischen Hebräisch bedeutet alma ausschließlich eine Jungfrau, ohne daß dafür eine erkärende Information nötig wäre. Die Septuaginta unterstützt lediglich diese Schluß-folgerung. Noch einmal, Matthäus benützt einfach die jüdischen Textquellen, die ihm im ersten Jahrhundert n.Chr. zur Verfügung standen. Wenn er den Text und sein Erleben mit Jesus vergleicht, dann sieht er eine buchstäbliche Prophetie, wie sie Jesaja äußerte, und eine buchstäbliche Erfüllung im Leben Jesu. Dieses Verständnis gibt er dann an den Leser weiter. Der Leser kann selbst entscheiden, ob Matthäus das richtig sieht oder nicht.
Lassen Siemich die Diskussion schließen mit einer weiteren, faszinierenden jüdischen Über-lieferung. Einfach ausgedrückt, es gibt in der jüdischen Gemeinschaft eine Tradition, daß der Messias keinen Vater haben wird. Diese Überlieferung wird angeführt in dem Buch „The Suffering Servant of Isaiah According to the Jewish Interpreters" [„Der leidende Knecht des Jesaja nach den jüdischen Auslegern"] (Driver & Neubauer, S. 33):
Bereschit Rabba des R. Mosche HaDarschan:
R. Berechja sagt: Der Heilige sagte zu Israel, du hast vor mir gesprochen und gesagt, wir sind Waisen und haben keinen Vater … Der Erlöser, den ich aus deiner Mitte aufstehen lassen werde, wird auch keinen Vater haben, wie gesagt ist: „Siehe, der Mann, dessen Name ‚Sproß' ist, und er wird von seinem Ort hervorsprossen" (Sach. 6,12); und ähnlich bei Jesaja „Er schoß auf vor ihm wie ein Reis" (Jes. 53,2).
Hier gebraucht Rabbi Mosche HaDarschan die Prophezeiungen in Sach. 6,12 und Jes. 53,2, um die Tatsache zu untermauern, daß der Messias keinen Vater haben werde. Diese jüdische Überlieferung stimmt völlig überein mit Jes. 7,14, wo ausgesagt wird, der Messias werde empfangen im Leib einer Jungfrau. Der Messias wird keinen menschlichen Vater haben. Das ist genau der Fall bei Jeschua. Er wurde vom Heiligen Geist empfangen im Leibe der Maria. Sein Vater war Gott, nicht Joseph. Jesus ist der Sohn Gottes und unser Messias.
Das bringt uns zu einem damit verwandten Einwand. Dafür lassen Sie uns weitergehen zu unserem nächsten Abschnitt, einer Diskussion des Wortes „Jungfrau" aus demselben Vers.
1 Harris, R. Laird, Theological Wordbook of the Old Testament, (Chicago: Moody Press, 1999, c1980), p.19
DER VORWURF DER ANTI-MISSIONARE:
Ein üblicher Einwand, den die Anti-Missionare vorbringen, läuft ungefähr auf dieser Linie: Da alma tatsächlich buchstäblich „Jungfrau" in Jesaja 7 bedeutet, wer war dann dieser sündlose zweite Adam, der während der Regierungszeit des Ahas geboren wurde? Und weiter, welche zwei Könige oder Königreiche wurden während der Kindheit Jesu besiegt?
HADAVARS ANTWORT:
Wenn es eine Zustimmung gibt, daß alma wirklich Jungfrau bedeutet, dann haben wir das größte Hindernis überwunden. Die vorausgesagte Empfängnis und Geburt muß ein Zeichen sein - irgendetwas Außergewöhnliches. Eine junge Frau, die ein Kind empfängt und gebiert, ist schwerlich ein Zeichen, das geschieht jeden Tag. Aber die Empfängnis und Geburt ist bei einer Jungfrau außergewöhnlich und dient als ein echtes Zeichen. Darum ist das Wort alma so bedeutsam.
Das Wort alma meint wirklich eine „Jungfrau" trotz der Einwände der Rabbiner. Im Gegensatz zu der überwältigenden Mehrheit der heutigen Rabbiner, die nicht zugeben wollen, daß alma Jungfrau bedeutet, haben wir hier die Meinung von Dr. Cyrus Gordon, Professor für Assyriologie und Ägyptologie am Dropsie College, in seinem Artikel „Almah in Isaiah 7:14" (The Journal of Bible and Religion, vol. 21 (April 1953), p.106):
Die allgemeine Ansicht, daß „Jungfrau" die christliche Übersetzung ist, während „junge Frau" die jüdische ist, entspricht nicht ganz der Wahrheit. Tatsache ist, daß die Septuaginta, das ist die jüdische Übersetzung, die im vorchristlichen Alexandria angefertigt wurde, almah hier als "Jungfrau" wiedergibt. Somit folgt das Neue Testament der jüdischen Auslegung von Jesaja 7,14. Daher beruht die Übersetzung von almah mit "Jungfrau" bei Jes. 7,14 im Neuen Testament auf der älteren jüdischen Auslegung …
Des weiteren stellt der angesehene Bibelkommentator Raschi (Rabbi Schlomo ben Jitzchaqi) in seinem Kommentar zum Hohenlied (Song of Solomon) 1,3 fest, daß alma Jungfrau bedeutet. Insbesondere sagt er, daß alma gleichbedeutend ist mit einem anderen hebräischen Wort, das auch Jungfrau bedeutet, nämlich betulah. Die Rabbiner sind einmütig der Meinung, betulah bedeute ebenso Jungfrau. Somit sind alma und betulah nahezu synonyme Ausdrücke und haben die Bedeutung „Jungfrau". Dabei ist alma jedoch der mehr eingeschränkte Ausdruck, der keiner weiteren Erläuterung bedarf. Dagegen umschließt der Bedeutungsumfang von betulah Jungfrauschaft und Ehe. Aus diesem Grunde braucht betulah manchmal einen erläuternden Zusatz, um auf eine Jungfrau hinzuweisen (z.B. 1.Mose 24,16). Schließlich steht in der Encyclopedia Judaica (CD-ROM Edition Judaica Multimedia Israel Ltd.) in dem Artikel „Virgin, Virginity" („Jungfrau, Jungfrauschaft"):
Das biblische betulah, das gewöhnlich mit „Jungfrau" übersetzt wird, ist eigentlich ein mehrdeutiger Ausdruck, der im nicht juristischen Zusammenhang gebraucht mehr ein Lebensalter bezeichnet als einen körperlichen Zustand.
Aus dieser Feststellung geht hervor, daß alma der bessere Ausdruck für Jungfrau ist, so wie wir es in Jes. 7,14 vorfinden.
Als zweites müssen wir erkennen, daß Jesaja in Kapitel 2 zwei Prophetien enthält, eine Langzeit-Prophetie (die Erfüllung liegt in ferner Zukunft) und eine Kurzzeit-Prophetie (die Erfüllung tritt zu Lebzeiten des Propheten ein).
Jes. 7,14 ist eine Langzeit-Prophetie. Sie soll dazu dienen, der davidischen Dynastie Mut zu machen für die kommenden 700 turbulenten Jahre, bis der Messias kommt. Das Haus Davids hatte dieses Wissen nötig. In diesem langen und trüben Zeitraum sollten sie diese Prophetie lesen und daraus Mut schöpfen für die Ankunft des Messias/Königs. Sie bezieht sich auf den sündlosen zweiten Adam, aber sie sagt nicht, daß dieser während der Regierung des Königs Ahas geboren werden sollte. Er wird 700 Jahre später geboren. Darum leitet uns Matthäus zu diesem Vers in Matth. 1,23.
Im Gegensatz dazu ist Jes. 7,15-25 eine Kurzzeit-Prophetie, die das Haus Ahas ermutigen, aber auch für seinen Mangel an Glauben tadeln soll. Jes. 7,15-25 sollte Ahas Mut machen, indem ihm gesagt wird, daß die davidische Dynastie den gegen sie geplanten Krieg überleben wird. Aber darin wird Ahas auch für seinen fehlenden Glauben getadelt, wie er in Vers 12 zum Ausdruck kommt. Das Gericht wird zunehmen und Not über sie bringen wegen seines Unglaubens - doch das Haus Davids wird überleben. Ahas sollte das wissen. Bitte erinnern Sie sich daran: Jesajas Sohn, Schear-Jaschub, war auf seinen Armen gegenwärtig.
In Jes. 7,3 gebietet Gott Jesaja, seinen jungen Sohn mitzubringen. Da muß es einen Grund geben, warum Gott das gebot. Der Hinweis auf den Jungen, der Butter und Honig ißt, der Böses verwirft und Gutes erwählt (Jes. 7,15-16), bezieht sich auf Schear-Jaschub. Mit anderen Worten, in nur ein paar Jahren werden die Feinde, die Ahas fürchtet (Pekach und Rezin, Verse 1-9) nicht mehr existieren. Schear-Jaschub wird als ein Zeichen für Ahas dienen. Aus diesem Grunde ist er anwesend. Das Zeichen liegt im Zeitplan. Das Timing ist ein wesentliches Element. Ehe der kleine Junge das Alter der moralischen Urteilsfähigkeit erreichen wird, werden die Feinde nicht mehr da sein. Die Eile und die präzise Art des Timings sind dabei das außergewöhnliche Element.
Dieses Zeichen sollte Jesaja auch als echten Propheten ausweisen und die Aufnahme seines Buches in den Kanon der Schrift unterstützen. Wie wir sehen, ist Schear-Jaschub so jung, daß er immer noch gestillt wird. Die früheste Nahrung, die ihm nach der Muttermilch gegeben wird, sollte Honig sein, worauf später Milch folgte. Das wird in 2-3 Jahren der Fall sein und Ahas erstaunen. Die Königreiche, die in so kurzer Zeit zerstört sein werden, sind die von Pekach und Rezin.
Lassen sie uns die zwei Gedanken in der historischen Perspektive des ersten Jahrhunderts zusammenführen. Der jüdische Leser, der im ersten Jahrhundert Jesaja 7 las, wußte aus der Geschichte, daß das Jungfrau-Zeichen nicht zur Zeit des Ahas eingetroffen war. Die vergangene Geschichte zeigte ihm, daß sich Jes 7,14 noch nicht erfüllt hatte. Sie sagte ihm aber auch, wie sich das in den Versen 15-25 Vorhergesagte genau so ereignet hatte. Aus der Geschichte wußte man, daß das Timing-Zeichen eingetroffen war. Pekach und Rezin waren gefallen. Ahas hatte überlebt, und das Land erlitt Verwüstung durch die Assyrer. Trotzdem hatten das Haus Davids und Juda überlebt. Die Leser im ersten Jahrhundert sollten leicht erkennen, worauf Matthäus hinaus wollte. Nach 700 Jahren des Wartens war Immanuel gekommen.
Lassen Sie mich die Erörterung mit einer weiteren, faszinierenden jüdischen Überlieferung beenden. Einfach gesagt, es gibt in der jüdischen Gemeinschaft eine Tradition, wonach der Messias keinen Vater haben wird. Davon schreibt das Buch The Suffering Servant of Isaiah According to the Jewish Interpreters (Driver & Neubauer, p.33):
Bereschit Rabba des R. Mosche HaDarschan:
R. Berechja sagt: Der Heilige sagte zu Israel, du hast vor mir gesprochen und gesagt, wir sind Waisen und haben keinen Vater … Der Erlöser, den ich aus deiner Mitte aufstehen lassen werde, wird auch keinen Vater haben, wie gesagt ist: „Siehe, der Mann, dessen Name ‚Sproß' ist, und er wird von seinem Ort hervorsprossen" (Sach. 6,12); und ähnlich bei Jesaja „Er schoß auf vor ihm wie ein Reis" (Jes. 53,2).
Hier gebraucht Rabbi Mosche HaDarschan die Prophezeiungen in Sach. 6,12 und Jes. 53,2, um die Tatsache zu untermauern, daß der Messias keinen Vater haben werde. Diese jüdische Überlieferung stimmt völlig überein mit Jes. 7,14, wo ausgesagt wird, der Messias werde empfangen im Leib einer Jungfrau. Der Messias wird keinen menschlichen Vater haben. Das ist genau der Fall bei Jeschua. Er wurde vom Heiligen Geist empfangen im Leibe der Maria. Sein Vater war Gott, nicht Joseph. Jesus ist der Sohn Gottes und unser Messias.
DER VORWURF DER ANTI-MISSIONARE:
Jesaja 9,5 lautet nach dem hebräischen Text:
„Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt … ‚mächtiger Gott' (Luther: Gott-Held)."
Diese Stelle bezieht sich auf den König Hiskia, den Sohn von Ahas. Manche Übersetzungen haben hier die Zeit von der Gegenwart in die Zukunft geändert, so daß dann da steht "und er wird heißen …"
Der hebräische Name Hiskia bedeutet „mächtiger Gott".
HADAVARS ANTWORT:
Eine Umschreibung dieses Arguments würde lauten:
Wir wollen den vierten Punkt prüfen und gehen dabei zurück nach Punkt eins. Daß Hiskia die messianische Person war oder eine messianische Person ist, scheint die Folgerung dieses Einwands zu sein. Mit anderen Worten; die Aussage kann nicht Jesus betreffen, weil sie bereits in Erfüllung gegangen ist. Der Anti-Missionar möchte uns wahrscheinlich auf den rabbinischen Glauben aufmerksam machen, daß in jedem Zeitalter jemand lebt, der ein möglicher Messias sein kann. Darum war Hiskia die messianiche Person, die in Jes. 9,5 gemeint ist. Er war der Messias seiner Zeit. Das ist aus mehreren Gründen keine sehr starke Position. Wir wollen zuerst einige Fragen stellen:
Jes. 9,5 im Targum Jonathan zu den Propheten:
„Der Prophet kündigte dem Hause Davids an ‚ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, der die Tora auf sich genommen hat, um sie zu bewahren; und sein Name wurde genannt von dem, der wunderbaren Rat gibt, dem mächtigen Gott, der in Ewigkeit lebt: „Messias", in dessen Tagen überströmender Frieden für uns sein wird. Er wird die Würde derer groß machen, die in der Tora studieren, und derer, die Frieden bewahren, ohne Ende; auf dem Thron Davids und über sein Königreich, um es aufzurichten und zu erbauen in Recht und Gerechtigkeit, von da an für ewige Zeiten. Das wird bewirkt werden durch den Memra des Herrn der Heerscharen."1Babylonischer Talmud, Traktat Derech Erez Zuta:
„Rabbi Hose der Galiläer sagte: Der Name des Messias heißt auch Frieden, denn es steht geschrieben (Jes. 9,5): ‚Ewiger Vater, Friedefürst'."2Midrasch Rabba, Debarim 1:
„Die Rabbinen legen folgende Worte in den Mund des Patriarchen Jakob: ‚Ich muß noch den König Messias hervorbringen, wie geschrieben steht: Uns ist ein Kind geboren'."3Iggereth Teman (Rabbi Moses ben Maimon schreibt an Jakob Alfajumi):
„Gott benannte ihn (den Messias) mit sechs Namen, wie er ihn betreffend sagt: ‚Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben; und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunderbar, Ratgeber, Gott, Mächtiger, Ewiger Vater, Fürst des Friedens.' So nannte ihn Gott auf unterschiedliche Weise, um damit zu sagen, daß seine Herrlichkeit die aller anderen Menschenkinder übertrifft."4Aben Ezra:
„Es gibt einige Ausleger, die sagen, ‚Wunderbar, Ewig-Vater' sind Namen Gottes und nur ‚Friede-Fürst' ist der Name des Kindes. Aber meines Erachtens ist die Auslegung richtig (,die sagt): Das alles sind Namen des Kindes."5Targum Jesaja:
„Der Prophet sagt zum Hause Davids, ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben; und er hat das Gesetz auf sich genommen, um es zu halten, und von alter Zeit ist sein Name genannt‚ Wunderbarer Ratgeber, Mächtiger Gott, Er, der ewig lebt, der Gesalbte (oder Messias), zu dessen Zeit zunehmend Frieden auf uns kommen wird."6
Fest steht, daß die Schriftstelle vom Messias handelt, aber es wird nur einen Messias geben, nicht eine ganze Menge. Es wird nur einen geben, und nur einer wird den Anforderungen an den Messias entsprechen.
„Rabbi Hillel sagte, ‚Es gibt keinen Messias für Israel, denn sie haben sich an ihm bereits in den Tagen Hiskias erfreut.' Rabbi Joseph sagte, ‚Möge Gott ihm vergeben (weil er das gesagt hat)'."
Rabbi Joseph verneinte diese Meinung also energisch.
Schließlich kommen wir zu dem Einwand, daß die Aussagen alle die Vergangenheit betreffen und deshalb von Hiskia reden. Das ist eine wichtige exegetische und interpretative Entscheidung. Die Verben in Jes. 9,5 sind ein Gemisch aus Perfekt und Imperfekt. Die Perfekte stehen in der ersten Hälfte des Verses, die Imperfekte in der zweiten. Die Perfektform bezeichnet eine vollendete Handlung in Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft. Das Imperfekt gibt eine unvollendete oder wiederholte Handlung an, ebenfalls in Vergangen-heit, Gegenwart oder Zukunft. Die Mischung beider Zeitformen bedeutet, daß sich nicht einfach entscheiden läßt, was gemeint ist. Wir müssen uns darüber den Kopf zerbechen. Wir haben darüber gründlich nachzudenken. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten, für die wir uns entscheiden müssen.
Der Anti-Missionar hat sich für die Vergangenheits-oder Gegenwarts-Option entschieden. Daraus folgert er, daß Hiskia der Messias ist oder war. Er hat dabei für die Übersetzung denselben Typ gewählt, der auch in den Bibelübersetzungen angewandt wird, nämlich daß man aufgrund einer exegetischen Entscheidung eine bestimmte Zeit wählt, ob das nun Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft sein mag. Die Wahl des Anti-Missionars ist die schlechtere Wahl aus dreierlei Gründen:
Wir haben aber noch eine weitere Möglichkeit, den Tetx zu verstehen, und das ist die Zukunfts-Option. Im Falle der Perfekt-Form wäre das der Gebrauch des sogenannten "prophetischen Perfekts". Das prophetische Perfekt tritt auf, wenn der Prophet eine Handlung in der Zukunft so lebendig sieht, daß sie ihm "so gut wie geschehen" vorkommt.7 Der Gebrauch des prophetischen Perfekts in der ersten Hälfte des Verses (ein Kind ist geboren, ein Sohn ist gegeben) paßt zum Imperfekt in der zweiten Hälfte des Verses (Herrschaft soll sein auf seiner Schulter, er heißt … ).
Wenn wir den Zusammenhang und das Gewicht von Jes. 9,1-7 berücksichtigen, wenn wir weitere Angaben der Bibel über die messianische Person und die Aussagen des Neuen Testaments mit dem vergleichen, was wir über Hiskia wissen, dann müssen wir die Futur-Option vorziehen. Dazu paßt Jesus sehr gut. Er ist eine viel bessere Wahl als Hiskia (700 v.Chr.), Bar Kochba (135 n.Chr.) oder Rebbe Schneerson (1994 n.Chr.). Wenn Jesus nicht der Messias ist, wer ist es dann?
Jesus ist der:
Wunderbare Ratgeber - Kol. 2,3 „in welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis."
Mächtige Gott - Hebr. 1,8 „aber von dem Sohn (sagt er): Gott, dein Thron währt von Ewigkeit zu Ewigkeit, und das Zepter der Gerechtigkeit ist das Zepter deines Reiches" (Zitat aus Psalm 45).
Ewige Vater - Joh. 1,1-2 „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott."
Fürst des Friedens - Joh. 14,27 „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht."
Die Jewish Publication Society (JPS) übersetzt den Vers auch mit „Kind ist geboren" und „Sohn ist gegeben". So stimmen die jüdische und die christliche Übersetzung bei der ersten Hälfte des Verses überein. Darum sagen sie konsequenterweise auch die Herrschaft ist" und „er heißt", also im Präsens. Diese Übersetzung würde den Anti-Missionaren wider-sprechen und sie der "Textmanipulation" beschuldigen. Aber das ist gar nicht nötig. Die Übersetzer haben eine vernünftige und konsequente Arbeit geleistet. Sie stimmen nicht HaDavars Bewertung des Textes zu. Ihre Übersetzung ist fair, aber von unserem Standpunkt aus eine bedauerliche, Auslegung enthaltende Wiedergabe.
1 Huckel, T. (1998). The Rabbinic Messiah (Is 9:6). Philadelphia: Hananeel House.
2 "How to Recognise the Messiah" Pg. 11
3 "How to Recognise the Messiah" Pg. 11
4 "How to Recognise the Messiah" Pg. 24
5 "How to Recognise the Messiah" Pg. 24
6 McDowell, Josh, Evidence that Demands a Verdict, (San Bernardino, CA: Here's Life Publishers) 1972, pg. 151
7 Williams, Ronald J., Hebrew Syntax: An Outline, Second Edition, (Toronto: University of Toronto Press) 1967
DER VORWURF DER ANTI-MISSIONARE:
Die jüdische Übersetzung von Jesaja 53,10 ist die genaueste. Wir finden sie in der Tanach-Bibel:
„Und der Herr wollte ihn zerschlagen, Er machte ihn krank; wenn seine Seele von sich aus erstattet (Schuld anerkennt), soll er Nachkommen sehen, er wird seine Tage verlängern und Gottes Vorhaben soll in seiner Hand gelingen."
Die deutsche Luther-Übersetzung (1984) sagt:
„So wollte ihn der HERR zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und in die Länge leben, und des HERRN Plan wird durch seine Hand gelingen."
Diese Übersetzung weist auf Jesus hin und soll damit ungenau sein.
HADAVARS ANTWORT:
Der Anti-Missionar beanstandet die anderslautende Wiedergabe von Jesaja 53,10 in manchen Bibelübersetzungen. Er verweist auf die Abweichung von der jüdischen Tanach-Version. Das empfindet er als absichtliche Verdrehung der Meinung dieses Verses. Der Vers sei so entstellt worden, als ob er von Jesus spräche, was er aber in Wirklichkeit nicht tut. Lassen Sie uns einen Blick werfen auf die wichtigen Aussagen und sehen, ob die wesentliche Textbedeutung verändert wird.
Da Jesus keine Kinder hatte, konzentriert sich die ganze Auseinandersetzung darauf, ob der Ausdruck Samen, „serah", bildlich gebraucht wird oder ob er streng auf einen wörtlichen Gebrauch in der Schrift beschränkt ist. Wenn er zu Recht auch in bildlichem Sinne zu verstehen ist, dann können die Nachkommen (wörtl. „Samen") der leidenden Person aus Jesaja 53,10 auch geistliche Abkömmlinge oder Jünger sein anstatt buchstäblicher Nachkommen. Ist das nicht so, dann allerdings werden die Kinder einem leidenden Individuum geboren.
Zuerst wollen wir den Zusammenhang von Jesaja 53,10 betrachten. Die Kernfrage ist: „Wie kann ein toter Mann, der als Schuldopfer geopfert wurde (V.10), seine leiblichen Kinder sehen und seine Tage verlängern?" Zahlreiche, geachtete jüdische Kommentatoren haben bestätigt, daß die leidende Person von Jesaja 53,10 tatsächlich in den Versen 8-10 stirbt (siehe The Suffering Servant of Isaiah, Driver and Neubauer, Seiten IXX-IXXII). Der einzige Weg, auf dem er seine Kinder erleben kann, ist seine Auferstehung. Es geschieht hier also etwas, das über das Normale hinausgeht. Gott greift ein mit dem Wunderbaren. Das sollte uns sofort die Möglichkeit bewußt machen, daß der normale, natürliche Lauf der Dinge hier außer Kraft gesetzt wird. Somit meint der Text offenbar nicht einen leiblichen Nachkommen des Knechtes Gottes, sondern nach dem Zusammenhang müssen wir eine bildliche Bedeutung des Wortes serah annehmen.
Zweitens lassen Sie uns die Reichweite der Bedeutung von „serah" untersuchen.1
Wir haben einige bildlichen Vorkommen des Wortes kennengelernt. Selbstverständlich spricht der Gebrauch Nr. 1, Saat, nicht von „buchstäblichen Nachkommen".
Bei Nr. 2 gibt es auch einen übertragenen oder bildlichen Gebrauch. Judas Götzendienst wird mit einer Saat verglichen in Jesaja 17,11. In Psalm 126,6 wird Israels Schicksal mit Samen und Garben verglichen (s.a. Hesekiel 17,5).
Ein anderer, selbstverständlich ebenso bildlicher Gebrauch ist Nr. 3, wo Samen „Sperma" anstatt buchstäblicher Nachkommen bedeutet.
Gebrauch Nr. 4 ist der, den der Anti-Missionar gern betont. Serah bedeutet oft wirklich Nachkomme, aber nicht ausschließlich. Diese Tatsache versucht der Anti-Missionar zu verdunkeln. Ein beachtenswerter Gesichtspunkt für diesen Gebrauch besteht darin, daß das Wort sich auf zukünftige Generationen beziehen kann (z.B. 5.Mose 28,462). Dr. Michael L. Brown schreibt in seinem Buch „Answering Jewish Objections to Jesus" (Band 3, Seite 84): „Im Zusammenhang von Jesaja 53,10 wird gesagt, daß der Knecht des Herrn sehen wird, wie zukünftige Generationen seines Volkes dem Herrn dienen werden." Das ist eine sehr passende Beschreibung der Erfüllung dieses Verses durch Jesus.
Der fünfte Gebrauch ist höchst bildhaft. Ein Beispiel haben wir in Sprüche 11,21. Wenn dieses Wort genau genommen nur von „leiblichen Nachkommen" spricht, dann wären die leiblichen Nachkommen eines bösen Menschen zur Verdammnis bestimmt, auch wenn sie ein gottgefälliges Leben führen. Warum? Weil sie nicht die Kinder eines gerechten Mannes sind. Wir wären gezwungen, Sprüche 11,21 so zu verstehen, als ob unsere Verdammnis oder Erlösung durch unsere Vorfahren bestimmt wird, ganz gleich, wie unsere persönliche Gerechtigkeit aussieht. Natürlich ist das eine lächerliche Auslegung, die völlig entkräftet wird durch das Leben von gerechten Personen, deren Vorfahren böse waren. Wir erinnern uns an den frommen König Hiskia, den direkten Nachkommen des bösen Königs Ahas, wie es im Tanach bei Hesekiel 18,20 beschrieben ist:
„Denn nur wer sündigt, der soll sterben. Der Sohn soll nicht tragen die Schuld des Vaters, und der Vater soll nicht tragen die Schuld des Sohnes, sondern die Gerechtigkeit des Gerechten soll ihm allein zugute kommen, und die Ungerechtigkeit des Ungerechten soll auf ihm allein liegen."
Im Gegenteil, nach Sprüche 11,21 wird der Gerechte erlöst, weil er identifiziert wird und verbunden ist mit einer Gruppe, die eine gemeinsame Eigenschaft besitzt. In diesem Fall gehört er nicht zu den Nachkommen der Gerechten, weil sein Vater notwendigerweise gerecht gewesen ist, sondern weil er diese gemeinsame Eigenschaft persönlich besitzt, zusammen mit all jenen Leuten, die nach Gottes Maßstäben leben.
Ferner ist der bildliche Aspekt von serah ein Hilfsmittel für die Auslegung, das die Weisen des Altertums anwandten. In seinem Buch The Rabbinic Messiah stellt Tom Huckel die bildliche Bedeutung von 1.Mose 3,15 dar. Nach diesem Vers wird es Feindschaft geben zwischen dem Samen des Weibes und dem Samen der Schlange. Im Targum Pseudo-Jonathan und im fragmentarischen Targum zum Pentateuch repräsentiert die Frau das Gute und die Schlange das Böse.
Ebenso sah Sforno in der Schlange ein Bild. In seinem Kommentar bedeutet die Schlange den bösen Trieb. Nun sind das Gute, das Böse und der böse Trieb abstrakte Vorstellungen, die keine Kinder außer im bildlichen Sinne hervorbringen können. Folglich verwenden die Rabbinen in ihren Auslegungen den bildlichen Sinn. Übrigens werden beide Übersetzungen von 1.Mose 3,15 in den Targumim von den Rabbinen mit dem Kommen des Messias verbunden.
Einen anderen, bildlichen Gebrauch von serah gibt es in 1.Mose 4,25. Dort sagt Eva, Gott habe ihr einen anderen Sohn gegeben für Abel. Nach rabbinischer Lehre ist das eine Anspielung auf den Messias (Jewish Encyclopedia, Internet Edition, Artikel: Seth). Die Rabbinen sagen, das Wort Sohn (oder Samen, serah) bezieht sich nicht auf Seth, Evas wirklichen Sohn, sondern bezieht sich auf den Messias.
Zum Schluß lassen Sie mich noch einmal Dr. Brown (Seite 84) zitieren:
„… die Schwachheit dieses Arguments wird ersichtlich, wenn wir feststellen, daß keine geringere jüdische Autorität als Sa'adia Gaon Jesaja 53 auf den Propheten Jeremia anwandte; Gott hat jedoch Jeremia niemals empfohlen, zu heiraten oder Kinder zu haben (Jeremia 16,2) … In der Neuzeit wurde Jesaja 53 auf den verstorbenen Lubawitscher Rebbe bezogen, aber er und seine Frau konnten keine Kinder haben."
Diese beiden rabbinischen Auslegungen widerlegen den Anti-Missionar, der meint, der Knecht des Herrn müsse buchstäblich eigene Kinder haben.
Ich hoffe, ich konnte meinen Standpunkt klarmachen. Dieser antimissionarische Einwand ist abermals unbegründet. Er zeugt von einer mangelhaften Kenntnis des Hebräischen oder von fehlenden Studienunterlagen, die eine genaue Untersuchung des Textes ermöglichen. Weil der Ausdruck serah zu Recht in einem bildlichen Sinn verwendet werden kann, darum sind mit dem „Samen" der leidenden Person in Jesaja 53,10 eher geistliche Nachkommen oder Jünger gemeint als ein leiblicher Nachkomme.
Im Falle Jesus ereignete sich das Ungewöhnliche. Er opferte sich selbst als Schuldopfer. Er starb tatsächlich und wurde auf wunderbare Weise wieder auferweckt. Heute lebt Er und verlängert damit Seine Tage. Er sieht Seine Jünger, seinen geistlichen Nachwuchs, und des Herrn Wille gelingt durch Seine Hand.
Schlußfolgerung: Der Text wird nicht manipuliert, sondern es gibt nur gute oder weniger gute Übersetzungen in die moderne Sprache. Die wesentliche Bedeutung des Textes wurde nicht verändert. Jesaja 52 und 53 sprechen von derselben messianischen Person. Die rabbinische Meinung ist, daß Jesaja 52 und 53 vom Volk Israel sprechen und nicht von einem persönlichen Messias. Die alten Rabbinen stimmen jedoch mit meinen Aussagen überein, trotz der modernen rabbinischen Meinung. Die alte rabbinische Position war es, überwiegend in Jesaja 52 und 53 einen Bezug auf den persönlichen Messias zu sehen. Ein paar Beispiele sollen genügen, um das zu bestätigen.
Jesaja 52,13 im Targum Jonathan zu den Propheten:
„Siehe, meinem Knecht dem Messias wird's gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein."
Jesaja 53,4 im babylonischen Talmud, Sanhedrin 98b:
„… Was ist sein [des Messias] Name? Die Schule von R. Schela sagte, Sein Name ist Schiloh, denn es steht geschrieben: bis Schiloh kommt. Die Schule von R. Jannai sagte, Sein Name ist Jinnon, denn es steht geschrieben: solange die Sonne währt, blühe [jinnon] sein Name (Psalm 72,17). Die Schule von R. Chanina behauptet, Sein Name ist Chanina, denn es steht geschrieben: weil ich euch keine Gnade [chanina] mehr erweisen (oder geben) will (Jeremia 16,13). Andere sagen, Sein Name ist Menachem, Sohn des Hiskia, denn es steht geschrieben: Denn der Tröster [menachem], der meine Seele erquicken sollte, ist ferne von mir (Klagelieder 1,16). Die Rabbinen sagten, Sein Name ist ‚der aussätzige Schüler', denn es steht geschrieben: Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen; wir aber hielten ihn für den, der geplagt [nagua', mit Aussatz] und von Gott geschlagen und gemartert wäre (Jesaja 53,4).
Jesaja 53,5 im Midrasch Rabba, Ruth V,6:
„… Die fünfte Auslegung [von Ruth 2,14] läßt sich auf den Messias beziehen. Komm hierher: das ist das Erreichen des königlichen Standes. Und iß vom Brot: das bezieht sich auf das königliche Brot. Und tauche deinen Bissen in den Essigtrank: das betrifft seine Leiden, wie geschrieben steht: Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet (Jesaja 53,4).3
Jesaja 52 und 53 beschreiben die messianische Person. Die messianische Person wird das endgültige, stellvertretende Opfer für die Sünde sein, ein "Schuldopfer". Jesaja 52 und 53 werden immer wieder in der Brith Chadaschah (Neues Testament) zitiert. Die Stellen werden angeführt, weil die jüdischen, an Jesus Gläubigen des ersten Jahrhunderts den Textabschnitt auf diese Weise verstanden. Sie sahen Jesus als die buchstäbliche Erfüllung dieser Erwartung.
1 Brown, Driver, Briggs. Brown-Driver_Briggs Hebrew and English Lexicon (electronic ed.) Oak Harbor, WA: Logos Research Systems.
Vine, Unger, White. Vine's Complete Expository Dictionary of Old and New Testament Words. Nashville: T. Nelson.
Harris, Archer, Waltke. Theological Wordbook of the Old Testament (electronic ed.) Chicago: Moody Press.
2 Ibid. Brown, Driver, Briggs.
3 Huckel, T. (1998). The Rabbinic Messiah (Is. 52:13). Philadelphia: Hananeel House.
DER VORWURF DER ANTI-MISSIONARE:
Die christliche Bibel gibt die hebräische Schrift falsch wieder, wenn Paulus in Römer 11,26 sagt:
„Und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht: «Es wird kommen aus Zion der Erlöser, der abwenden wird alle Gottlosigkeit von Jakob.»"
Die hebräische Bibel berichtet das völlig anders. Jesaja 59,20 sagt:
„Ein Erlöser wird nach Zion kommen und zu denen aus Jakob, die ihre absichtlichen Sünden bereuen."
Ist das nun aus oder nach Jerusalem?
HADAVARS ANTWORT:
Das ist eine interessante Frage. Der hebräische Text sagt „nach Zion". Die Septuaginta sagt „um Zions willen". Das Neue Testament sagt „aus Zion". Darüber gibt es eine Menge zu sagen.
Ich meine, die Erklärung liegt darin, daß Paulus keine Eins-zu-eins-Wiedergabe im Textzusammenhang vornimmt. Er verwebt mehrere Gedanken der Schrift miteinander, anstatt eine einzige Stelle zu zitieren. Damit möchte er das Verständnis erleichtern. Das ist ein völlig akzeptables Vorgehen in der jüdischen Kultur seiner Zeit. Er will den Leser offensichtlich auf solche Stellen wie Jesaja 59,20; 27,9; 59,21 und Jeremia 31,31 hinweisen.
Das ist deutlich eine Anwendung der „fließenden" Methode, die Bibel zu gebrauchen. Davon sprachen wir schon im Abschnitt „Die vier Methoden, mit denen die Brith Chadaschah (Das Neue Testament) die hebräische Bibel anwendet". Wir haben hier ein Beispiel von wörtlicher Prophetie zuzüglich einer Zusammenfassung. Paulus nimmt alle Schriftstellen über die Wiederkunft und die Errichtung des messianischen Königreichs zusammen. Jeschua wird bei Seinem Wiederkommen die Rolle des „Messias, Davids Sohn" ausfüllen, des „Königs Messias" (Messiaskönigs). Er hat bereits die Rolle des leidenden Messias erfüllt. Paulus verweist den Leser auf einige Verse, die ein vollständiges Bild dessen vermitteln, was der Erlöser bei seiner Wiederkunft bewirken wird.
Nach dem großen, messianisch-jüdischen Gelehrten Dr. Alfred Edersheim wird Jesaja 59,19-20 auf den Messias und die messianischen Zeiten bezogen, und zwar im Talmud in Sanhedrin 98a und Pesiqtha 166b. Der betreffende Abschnitt in Sanhedrin 98a lautet:
R. Jochanan sagte: Wenn du jemals eine Generation siehst, die dahinschwindet, so hoffe auf ihn [den Messias], wie geschrieben steht: „Denn Du hilfst dem elenden Volk" (2.Samuel 22,28). R. Jochanan sagte: Wenn du eine Generation durch viele Schwierigkeiten wie von einem Strom überwältigt siehst, warte auf ihn, wie geschrieben steht: Wenn der Feind hereinkommen wird wie eine Flut, dann wird der Geist des Herrn ein Banner gegen ihn aufrichten (Jesaja 59,19); worauf folgt: Und der Erlöser soll nach Zion kommen (Jesaja 59,20).1
Der Talmud verbindet deutlich den Erlöser, der nach Zion kommen wird, mit dem Messias. Pesiqtha de Rab Kahana, Nachtrag 5,4, lautet:
…Auch „lieblich auf den Bergen" ist der, der die Erlösung verkündigt (Jesaja 52,7), nämlich der Erlöser, von dem gesagt ist „der Erlöser soll nach Zion kommen".2
Hier ist der Messias von Jesaja 52,7 dieselbe Person wie in Jesaja 59,20. Es gibt stabile, messianische Verbindungen zu diesem Vers. Paulus bekräftigt diese Verbindung durch seinen Gebrauch der Zitate.
Alles in allem bereiten die drei verschiedenen Übersetzungen nicht wirklich Schwierigkeiten, denn sie sind alle drei wahr. Kommt der Erlöser nicht „um Zions willen", das heißt, um Zion zu erretten, wie die Septuaginta übersetzt? Kommt er nicht „nach Zion", wie es im masoretischen Text übersetzt wird? Wie könnte er Zion sonst erlösen? Es ist auch wahr, daß der Messias Jesus "aus Zion" kam, wie das Neue Testament sagt, denn er ist ein Jude. Jede Übersetzung soll den einen oder den anderen Faktor betonen, der zur Errichtung des herrlichen, messianischen Reiches gehört. Da gibt es textliche Unterschiede, aber keine begrifflichen. Wenn wir jeden einzeln betrachten, dann erhalten wir ein umfassenderes und vollständigeres Bild von dem Amt des Messias zu Zion.
1 The Soncino Talmud (©1973 Judaica Press, Inc. and ©1965, 1967, 1977, 1983, 1984, 1987, 1988, & 1990 Soncino Press, Ltd.) is a product of Judaica Press, Inc. Brooklyn, NY, and, if included, is incorporated herein pursuant to exclusive license.
2 Huckel, T. (1998) The Rabbinic Messiah (Is 60:1) Philadelphia: Hananeel House.
DER VORWURF DER ANTI-MISSIONARE:
In der Luther-Bibel von 1984 heißt es:
„Dienet dem HERRN mit Furcht und küßt seine Füße (früher: küsset den Sohn) mit Zittern, daß er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Wege."
In der jüdischen Übersetzung (Tanach) lesen wir:
„Huldigt ihm in Reinheit (naschschequ-bar), damit er nicht zürne und ihr umkommt."
Die Bedeutung des hebräischen Wortes bar ist „rein" oder „klar". Ja, in aramäisch bedeutet das Wort bar „Sohn", aber es wird nur in der Kombination mit einem Namen gebraucht, wenn man sagt „Sohn von …". Wenn der Schreiber in aramäisch nur den Sohn allein gemeint hätte, dann hätte er das Wort ber'a mit dem Buchstaben Alef am Schluß geschrieben. Durch das einfache Fortlassen eines aramäischen Wortes ändert sich der gesamte Sinn des Verses.
HADAVARS ANTWORT:
Der Einwand betrifft tatsächlich einen strittigen Punkt. Wir können in alle Einzelheiten der aramäischen und hebräischen Sprache gehen, so wird doch des Ergebnis dasselbe bleiben. Der Sinn von Vers 11 ist die Unterwerfung unter Israels souveränen König.
In den rabbinischen Schriften herrscht eine zwiespältige Meinung darüber, ob das ein messianischer Psalm ist. Der große messianisch-jüdische Gelehrte Dr. Alfred Edersheim hat das in seinem Buch The Life and Times of Jesus the Messiah dokumentiert. Im Anhang 9 zu diesem Werk listet er eine ganze Seite lang die rabbinischen Zitate und Bezugnahmen auf, in denen sie bestätigen, daß dieser Psalm messianisch ist. Rev. Tom Huckel führt in seinem Buch The Rabbinic Messiah 14 rabbinische Zitate an, die die messianische Bedeutung von Psalm 2 bescheinigen.
Psalm 2 ist einer der im Neuen Testament am häufigsten zitierten Psalmen, die Jesu Messianität bezeugen. Die gläubigen Juden des ersten Jahrhunderts wurden von den Rabbinen belehrt, daß Psalm 2 vom Messias spricht. Sie waren davon überzeugt, daß hier von Jesus die Rede war, und sie verkündigten diese Botschaft, obwohl sie dabei ihr Leben riskierten. Ich möchte hier bemerken, daß das Wesen dieses Psalms und seine Anwendung keinesfalls nur auf dem 12. Vers beruht. Vers 12 kann auf verschiedene Weise übersetzt werden, doch dadurch wird der Gesamteindruck des Psalms nicht beeinträchtigt. Die Kontroverse um naschschequ-bar ist wohlbekannt. Die Übersetzer haben darum gerungen und sind zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen:
Küsset den Sohn, damit er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Wege, denn sein Zorn wird bald entbrennen. Gesegnet sind alle, die bei ihm ihre Zuflucht nehmen. (American Standard Version)
Küsset den Sohn, damit er nicht zürne und ihr umkommt abseits vom Wege, wenn sein Zorn nur ein wenig entbrannt ist. Selig sind alle, die in ihn ihr Vertrauen setzen. (King James Version)
Huldigt dem Sohn, daß er nicht zornig wird und ihr nicht auf dem Wege umkommt, denn sein Zorn mag bald entbrennen. Wie gesegnet sind alle, die in ihm ihre Zuflucht nehmen! (New American Standard Bible)
Küsset den Sohn, damit er nicht zürne und ihr auf eurem Wege vernichtet werdet, denn sein Zorn kann in einem Augenblick entbrennen. Gesegnet sind alle, die in ihm ihre Zuflucht nehmen. (New International Version)
Küsset seine Füße, damit er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Wege; denn sein Zorn wird sich rasch entzünden. Gesegnet sind alle, die in ihm ihre Zuflucht nehmen. (Revised Standard Version)
Huldigt ihm in Reinheit, damit er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Wege, wenn sein Zorn plötzlich entbrennt. (Jewish Publication Society)
Ungewöhnlich in dem Vers ist der offensichtliche Gebrauch von bar, einem aramäischen Wort für Sohn. Deshalb übersetzen es die Bibelversionen unterschiedlich. Hieronymus übersetzte „Bereitet ihm eine reine Anbetung" (bar ist ein hebräisches Wort für „rein") oder „betet ihn an in Reinheit", anstatt das Wort mit „Sohn" zu übersetzen. (The Bible Knowledge Commentary)
Sohn" ist eine vertretbare Übersetzung, ebenso wie „Reinheit", „rein" und „Füße" vertretbar sind, aber ein Streit um diese Übersetzung ist nicht notwendig. Der messianische Sinn des Psalms wird nicht bestimmt durch die Wiedergabe des aramäischen Wortes bar. Der Leitgedanke ist die Unterwerfung unter den jüdischen Messiaskönig. Das ist keine „Manipulation" des Textes, es ist lediglich ein Beipiel für die normalen Schwierigkeiten eines Übersetzers, wenn er sich mit einem Text beschäftigt. Das Ringen um Genauigkeit tritt besonders dann in Erscheinung, wenn die Textkonstruktion ungewöhnlich ist. Alle Übersetzungsmöglichkeiten unterstützen dieselbe Idee, nämlich die Unterwerfung unter Israels souveränen König. Keines der Zitate im Neuen Testament verlangt, daß die Übersetzung in Vers 12 mit „Sohn" erfolgt. Das wäre zwar schön, weil es den Gedanken der Messianität Jesu noch besser unterstützen würde. Aber eine genaue Übersetzung ist hier gar nicht notwendig, wenn es um die messianische Bedeutung oder Botschaft von Psalm 2 geht.
Mit allem nötigen Respekt muß man sagen, daß der Einwand des Anti-Missionars völlig den Kernpunkt des Psalms verfehlt. Er geht daran vorbei, indem er sich übermäßig auf die Einzelheiten zur Übersetzung eines einzigen Satzteils konzentriert. Dieser Satzteil ändert in keiner Weise die Botschaft des Psalm, ganz gleich, welche Übersetzung man wählt. Dies ist ein Psalm, der von den Rabbinen gut als messianisch bezeugt wird. Die jüdischen Gläubigen des ersten Jahrhunderts stimmten dem zu und wandten den Psalm auf Jesus an.
Der Einwand ist einfach ein Beispiel von Wortklauberei. Diese wird definiert als:
Lernen Sie, solche Wortklauberei zu erkennen, wenn sie auftaucht, und bezeichnen Sie sie mit ihrem richtigen Namen - mit einem „Ausweichen der Wahrheit".
* The American Heritage Dictionary of the English Language, fourth ed., copyright 2000 by Houghton Mifflin Company
DER VORWURF DER ANTI-MISSIONARE:
In der Luther-Bibel von 1984 wird Psalm 16,9-10 so übersetzt:
„Darum freut sich mein Herz, und meine Seele ist fröhlich; auch mein Leib wird sicher liegen. Denn du wirst mich nicht dem Tode überlassen und nicht zugeben, daß dein Heiliger die Grube sehe."
(Früher stand bei Luther „daß dein Heiliger verwese", und die alte englische Bibel [KJV] sprach nicht vom Tode, sondern von der „Hölle".)
Warum wird der Satz nicht mit Vers 11 fortgesetzt? Das geht nicht, weil David nicht von Jesus spricht. David spricht von sich selber. In Vers 11 sagt er:
„Du tust mir kund den Weg zum Leben: Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich."
In der hebräischen Übersetzung lesen wir in Psalm 16,9-10:
„Darum freute sich mein Herz, und meine Seele war fröhlich; auch mein Leib wird in Sicherheit wohnen. Denn Du wirst meine Seele nicht dem Grabe überlassen; Du wirst nicht zulassen, daß dein Frommer die Grube sieht."
Wo befinden sich „Hölle" ud „Verwesung", wie es die alten Übersetzungen ausdrückten? Die hebräische Übersetzung von Psalm 16,10-11 schildert, wie David zu Gott spricht und sich freut, daß Gott seine Seele nicht dem Grabe überlassen wird. David wird zu seinen Lebzeiten in Sicherheit wohnen, weil Gott seinen Leib vor Verletzungen bewahrt. Wenn Vers 10 sich nicht auf Jesus bezieht, wie kann sich dann Vers 11 auf Ihn beziehen?
HADAVARS ANTWORT:
Wir stimmen hier in einigen bedeutenden Punkten überein. Zuerst müssen wir zurückblicken auf die zuvor gegebenen Anmerkungen mit dem Titel „Die vier Methoden, mit denen die Brith Chadaschah (Das Neue Testament) die hebräische Bibel anwendet". Darin wurde festgestellt, daß das Neue Testament konsequent die hebräischen Schriften auf viererlei Weise auslegt. Hier haben wir ein Beispiel für wörtliche Prophetie mit philosphischer oder typischer Erfüllung (Rémes). Einige Erläuterungen aus dem Bible Knowledge Commentary behandeln diese Passage recht gut. Der Bible Knowledge Commentary wurde von konservativen, dispensionalistischen Gelehrten aus dem Dallas Theological Seminary geschrieben. Das Dallas Theological Seminary ist ein unabhängiges Seminar, es ist keiner besonderen Denomination angeschlossen und vertritt eine sehr solide Theologie.
„David wurde zugesagt, daß der Herr sein Leben angesichts des Todes bewahren werde. Er freute sich, weil Gott seinem Leib sichere Ruhe verschaffen wollte, selbst wenn er mit dem Tode konfrontiert würde. Der Grund für diese Ruhe lag darin, daß Gott ihn nicht dem Grab überlassen noch seinen Heiligen Verwesung sehen lassen wollte. Dieser Vers bezieht sich auf David, der sich selbst als Gottes „Heiligen" beschreibt, das ist einer von Gottes Heiligen (vgl. Vers 3). Er fand Trost in der Tatsache, daß Gott zu dieser Zeit nicht zulassen würde, daß sein Körper sterbe und im Grab verwese. Gott ließ ihn den Weg des Lebens erkennen, und so wurde für ihn das Erlebnis weiterer Freude in Gottes Gegenwart vorweggenommen (V.11)."
„Die Verse 8-11 wurden von Petrus am Pfingsttage zitiert (Apg. 2,25-28), und Psalm 16,10b wurde von Paulus in Antiochien ausgelegt (Apg. 13,35-37). Im Blick auf Christi Auferstehung sind die Worte Davids auch typologisch; sie überstiegen sein eigenes Erleben und wurden in Christus zur geschichtlichen Wirklichkeit. Bewahrung vor dem Verwesen im Grab ist der Gedanke hinter dem Erleben beider, Davids und Jesus, aber bei David kam sie durch eine (zeitlich beschränkte) Befreiung vom Tod, während sie bei Jesus durch eine Auferstehung vom Tod kam.
In Apg. 2,25-32 lesen wir, was Petrus verkündet:
„Denn David spricht von ihm: «Ich habe den Herrn allezeit vor Augen, denn er steht mir zur Rechten, damit ich nicht wanke. Darum ist mein Herz fröhlich, und meine Zunge frohlockt; auch mein Leben wird ruhen in Hoffnung. Denn du wirst mich nicht dem Tod überlassen und nicht zugeben, daß dein Heiliger die Verwesung sehe. Du hast mir kundgetan die Wege des Lebens; du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht.» Ihr Männer, liebe Brüder, laßt mich freimütig zu euch reden von dem Erzvater David. Er ist gestorben und begraben, und sein Grab ist bei uns bis auf diesen Tag. Da er nun ein Prophet war und wußte, daß ihm Gott verheißen hatte mit einem Eid, daß ein Nachkomme von ihm auf seinem Thron sitzen sollte, hat er's vorausgesehen und von der Auferstehung des Christus gesagt: Er ist nicht dem Tode überlassen, und sein Leib hat die Verwesung nicht gesehen. Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dessen sind wir alle Zeugen."
Zuerst beachten wir, daß Petrus den Vers 11 (Apg. 2,28) zitiert. Er hält den Vers für passend zu seinem Argument, darum führt er ihn an. Seine Hauptfeststellung ist, daß dieser Psalm nicht vollständig nur von David handeln kann. Warum? Weil Davids Leib tatsächlich Absterben und Verwesung erleiden mußte, als er schließlich starb. Man kann die Bezeichnung „David" nicht ausschließlich auf ihn selbst beziehen. Davids Worte übersteigen sein persönliches Erleben. Doch Petrus sah auch die Verbindung mit einem anderen, tatsächlichen Geschehen, das ohne Einschränkung zu Davids Worten paßt. Im Denken des Petrus deuten Davids Worte das an, was mit Jesus geschah. David war ein Prophet und sah den messianischen König voraus.
Nun lassen Sie uns sehen, was Paulus in Apg. 13,35-37 zu sagen hat:
„Darum sagt er auch an einer anderen Stelle: «Du wirst nicht zugeben, daß dein Heiliger die Verwesung sehe.» Denn nachdem David zu seiner Zeit dem Willen Gottes gedient hatte, ist er entschlafen und zu seinen Vätern versammelt worden und hat die Verwesung gesehen. Der aber, den Gott auferweckt hat, der hat die Verwesung nicht gesehen."
Beachten Sie, daß Paulus nicht den Vers 11 zitiert. Er hielt diesen Vers nicht nötig zur Unterstützung seines Arguments. Aber seine Erkenntnis ist dieselbe wie die des Petrus. Auch Paulus sagt, wir können die Aussage dieses Psalms nicht auf David beschränken, weil sie nicht auf David paßt. David hat am Ende seines Lebens die Verwesung erfahren. Jesus indessen mußte keine Verwesung Seines Leibes durchmachen, weil er auferweckt wurde. Wir haben hier also wiederum eine wörtliche Prophetie, die ein Vorbild für ihre spätere, eigentliche Erfüllung darstellt (Rémes).
Beide argumentieren vom Geringeren zum Größeren. David wurde zeitweilig während seiner Lebenszeit vor dem Grabe bewahrt, aber am Ende mußte er doch Grab und Verwesung durchmachen. Das ist das Geringere. Jesus jedoch besiegte Grab und Verwesung durch Seine Auferstehung. Das ist das Größere.
Schließlich ist der hebräische Ausdruck für „Hölle" (wie es die englische Übersetzung wiedergibt) das Wort Scheol, der Aufenthaltsort der Toten, das Grab, die Grube, die Unterwelt. Zugegebenermaßen ist „Hölle" keine gute Übersetzung, denn es gibt nur ein angelsächsisches Wort wieder, aber nicht das hebräische. Während aber die Übersetzer der KJV im Jahre 1611 eine dürftige Arbeit leisteten, ist das nicht mehr so in den heutigen Übersetzungen. Wir haben gesehen, daß die deutsche Luther-Bibel vom „Tode" spricht, andere sagen beispielsweise „Grab" oder „Unterwelt", und das ist annehmbar.
Das hebräische Wort für „Verwesung" (englische KJV, früher auch Luther) lautet Schachath und bedeutet „Grube" (sowohl wörtlich als auch die Grube der Scheol) und „Zerstörung, Verwesung". Die verschiedenen Übersetzungen bevorzugen die eine oder die andere Wiedergabe, doch kann man ihnen allen zustimmen.
Offensichtlich verstanden die messianischen Juden des ersten Jahrhunderts, Petrus und Paulus, das Wort als Ausdruck von Verwesung und Untergang. Es bleibt dem Leser überlassen, ihre Botschaft zu hören und dann zu entscheiden, ob er damit einverstanden sein will oder nicht. Es scheint aber keinen wesentlichen Unterschied zwischen Grube und Verwesung zu geben. Jesus hat beides durch die Auferstehung besiegt. David mußte schließlich die Grube kennenlernen, und sein Leib wurde der Verwesung unterworfen. Aber Davids Seele war nicht verlassen in der Unterwelt, denn er hatte eine persönliche Beziehung zu Gott und vertraute Ihm. Sein irdischer Leib mag heutzutage zu Staub zerfallen sein, aber er lebt fort und erlebt die Herrlichkeit Gottes genau in diesem Augenblick.
Die abschließende Untersuchung ergibt, daß der Text nicht manipuliert worden ist. Die verschiedenen Übersetzungen, sowohl jüdische und nichtjüdische, haben ihre Stärken und Schwächen. Aber niemand versucht damit, irgendjemanden zu betrügen oder zu überreden, um seine Religion zu wechseln.
DER VORWURF DER ANTI-MISSIONARE:
Die hebräische Bibel übersetzt Psalm 22,17 richtig und sagt: „Sie umgaben meine Hände und Füße wie ein Löwe." Das Wort ka'ari bedeutet klar „wie ein Löwe", wie es auch deutlich wird in seinem Vorkommen in Jesaja 38,13 und in anderen Bibelstellen. Wenn David von seinen Feinden verfolgt wurde, bezeichnet er sie oft als „Löwen" (z.B. in Psalm 7 und 17). Jedoch, wenn wir die Stelle aus dem Zusammenhang herausnehmen und auf Jesus beziehen möchten, dann kommt eine falsche Übersetzung zustande, so z.B. bei Luther „sie haben meine Hände und Füße durchgraben". Diese Stelle soll absichtlich die Gedanken auf Jesus hinlenken.
HADAVARS ANTWORT:
Das ist ein Fall, wo wir uns nicht von der Kraft des Psalms ablenken lassen dürfen durch Übersetzungen, die es zu verteidigen gilt. Wir können all das Für und Wider erörtern, ob das betreffende Wort nun das Substantiv ari zuzüglich der Präposition ka ist, was bedeutet „wie ein Löwe", oder ob es abgeleitet ist von der Wurzel kur, was mit einem medialen aleph „durchbohrt" bedeutet.1
Wie auch immer, wir müssen das nicht tun aus dem einfachen Grund, daß die Textaussage sich nicht ändert, ganz gleich, für welche Übersetzung man sich entscheidet. Beide Versionen sind annehmbar. Es gibt kein Problem mit der Übersetzung „wie ein Löwe". Dabei wird der Text nicht manipuliert, eine solche Anschuldigung ist gegenstandslos und ist ein weiteres Beispiel von Haarspalterei.
Hier zitieren wir aus einem guten, bibelgläubigen, konservativen christlichen Kommentar, der die Anliegen des Textes erkennen und darstellen will.
„Die Worte ‚sie haben meine Hände und Füße durchbohrt' beschreiben bildlich ein Zerreißen wie von wilden Tieren. Natürlich haben diese Worte im Neuen Testament durch ihren Bezug auf Jesus Christus eine größere Bedeutung (vgl. Lukas 24,39-40)."2
Wir verstehen, daß eine christliche Übersetzung dazu neigen wird, „durchbohrt" zu sagen, während eine jüdische Übersetzung lieber „wie ein Löwe" sagen wird. Die Septuaginta gebraucht ein Wort, daß bedeutet „einen Graben ausgraben". Das ist anschaulich, nicht wahr? Wir alle haben unsere theologische Vorliebe. Jedoch wird die Unversehrtheit des Textes nicht dadurch in Frage gestellt, daß wir uns für eine Übersetzung entscheiden, die möglich und vertretbar ist und in den Zusammenhang paßt. Genau das ist bei beiden Wiedergabemöglichkeiten der Fall. Aber dieses Wort ist einfach nur ein kleines Detail in der gesamten Botschaft des Psalms selbst.
Eine dringende Bitte an den Leser ist, die gesamte Botschaft des ganzen Psalms zu erwägen, anstatt sich auf ein Wort zu fixieren, das so oder so zu verstehen ist. Machen Sie aus einer Mücke keinen Elefanten. Könnte dies ein Wortspiel sein, das absichtlich so entworfen ist, um den Leser gleichzeitig an mißhandeln und durchbohren denken zu lassen? Das wäre gleichfalls eine weitere Möglichkeit. Jesus bezog sich auf den Psalm, während Er zur Hinrichtung am Kreuz hing (Matthäus 27,46; Markus 15,34). Das ist es, was unsere Aufmerksam auf den ganzen Psalm zieht. Eigentlich wird Psalm 22,17 nirgends im Neuen Testament erwähnt. Die jüdischen Schreiber der Evangelien sahen zahlreiche, genaue Parallelen zur Kreuzigung Jesu in diesem Psalm. Ebenso sieht die rabbinische Schrift Jalkut messianische Zusammenhänge in Vers 8 und 16.
Eines dieser Details ist die Mißhandlung von Händen und Füßen. Es kommt nicht im geringsten darauf an, wie wir das Wort verstehen (als Substantiv oder als Verb). Tatsache ist die Verletzung der Hände und Füße. Die Übersetzung „wie ein Löwe" ist gut wegen der Bildersprache von Tieren, die sich durch den ganzen Psalm hindurchzieht. Wenn ein Löwe in die Hände oder Füße eines Opfers beißt, werden seine großen Eckzähne diese ebenso durchbohren, wie es ein großer, römischer Nagel tut. Das messianische Verständnis dieses Psalms ist nach den rabbinischen Schriften außer Zweifel.
Dr. Michael Brown faßt in seinem BuchAnswering Jewish Objections to Jesus auf den Seiten 118 und 121-122 das Material wie folgt zusammen:
„Raschi erklärt Psalm 22,27 mit Bezug auf «die Zeit unserer Erlösung in den Tagen unseres Messias», und dann legt er die Verse 28-30 mit Bezug auf die Völker der Heiden aus, die sich zum Herrn wenden werden, und weiter auf das Ende der Weltzeit und das Endgericht."
„Pessikta Rabbati, der berühmte Midrasch aus dem achten Jahrhundert, legte einige Worte des Psalms auf die Lippen des leidenden Messias (genannt Ephraim, aber verbunden mit dem Sohn Davids), indem er Psalm 22,8.13.14 und 16 in den Zusammenhang mit den Leiden des Messias stellt. Tatsächlich stellt der Midrasch ausdrücklich fest, daß‚ es war wegen des Matyriums des Sohnes David, daß David weinte und sagte Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe (Psalm 22,16). Haben Sie das mitbekommen? Nach dieser anerkannten rabbinischen Auslegung beschrieb David in Psalm 22 die Leiden des Messias!"
Lassen Sie uns die Schlüsselworte noch genauer ansehen:
Während der Siebenjahresperiode, die dem Kommen des Sohnes Davids vorausgeht, werden eiserne Balken heruntergebracht und auf seinen Nacken geladen werden, bis der Körper des Messias tief gebeugt ist. Dann wird er schreien und weinen, und seine Stimme wird zur höchsten Höhe des Himmels aufsteigen, und er wird zu Gott sagen: Meister des Weltalls, wie viel kann meine Stärke aushalten? Wie viel kann mein Geist aushalten? Und wieviel mein Atem, bevor er aufhört? Wie viel können meine Glieder erleiden? Bin ich nicht aus Fleisch und Blut?
Es war wegen des Martyriums des Sohnes Davids, daß David weinte und sagte Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe (Psalm 22,16). Während des Martyriums des Sohnes Davids wird der Heilige, gelobt sei Er, zu ihm sagen: «Ephraim, mein wahrer Messias, vor langer Zeit, seit den sechs Tagen der Schöpfung, hast du dieses Martyrium auf dich genommen. Seit diesem Augenblick ist dein Leiden mein Leiden.»
Auf diese Worte wird der Messias antworten: «Nun bin ich versöhnt. Der Knecht ist zufrieden, wenn er wie sein Herr ist." (Pessikta Rabbati 36:2).3
Ferner wird gelehrt, daß im Monat Nisan die Patriarchen aufstehen und zum Messias sagen werden: Ephraim, unser wahrer Messias, auch wenn wir deine Vorläufer waren, so bist du doch größer als wir, denn du hast für die Bosheiten unserer Kinder gelitten, und furchtbare Qualen haben dich befallen ... Um Israels willen bist du zur Zielscheibe des Spottes geworden und zum Hohn für die Völker der Erde; und du saßest in Finsternis, in dichter Finsternis, und deine Augen sahen kein Licht, und deine Haut klebte an deinen Gebeinen, und dein Körper war ausgetrocknet wie ein Stück Holz; deine Augen waren trübe vom Fasten, und deine Kräfte waren vertrocknet wie eine Scherbe - all das waren Plagen wegen der Bosheiten unserer Kinder. (Pessikta Rabbati 37:1).4
Ephraim ist mein geliebter Sohn … Mein Herz verlangt nach ihm, in Barmherzigkeit will ich mich seiner erbarmen, spricht der Herr (Jeremia 31,20, eig.Übers.). Warum spricht der Vers zweimal von Barmherzigkeit: „in Barmherzigkeit will ich mich seiner erbarmen'? Die eine Barmherzigkeit bezieht sich auf die Zeit, wenn er im Gefängnis eingeschlossen sein wird, eine Zeit, in der die Völker täglich mit ihren Zähnen über ihn knirschen werden, in der sie sich mit den Augen zublinzeln werden zu seinem Spott, in Verachtung mit ihren Köpfen nicken, ihre Lippen weit zu schallendem Gelächter öffnen, wie gesagt ist Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf (Psalm 22,8); Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt mir am Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub (Psalm 22,16). Auch werden sie über ihm wie Löwen brüllen, wie gesagt wird Ihren Rachen sperren sie gegen mich auf wie ein brüllender und reißender Löwe. Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Knochen haben sich voneinander gelöst; mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs (Psalm 22,14-15). (Pessikta Rabbati 37:1).5
„Was Psalm 22,17 betrifft, lesen fast alle der standardmäßigen, mittelalterlichen hebräischen Manuskripte (bekannt als masoretisch) ka'ari, gefolgt von den Worten „meine Hände und meine Füße". Laut Raschi ist die Bedeutung „als ob sie im Maul eines Löwen zermalmt worden sind", während der Kommentar von Mezudat David sagt „sie zermalmen meine Hände und Füße wie der Löwe, der die Knochen der Beute in seinem Maul zerbricht." Also ist das Bild klar: Diese Löwen lecken nicht die Füße des Psalmisten! Sie zerren und reißen daran.6 Wenn wir die bildhafte Sprache der umliegenden Verse dazunehmen (vgl. Verse 13-22), dann vermittelt das Bild von den reißenden Löwen anschaulich die große körperliche Qual des Leidenden. Würde das auf irgendeine Weise dem Bild eines gekreuzigten Opfers widersprechen mit seinen ausgerenkten Knochen, den Spötter umringen und verhöhnen, dessen Kleider ihm abgenommen und unter seinen Feinden verteilt wurden, dessen Füße und Hände von Nägeln durchbohrt sind und dessen Körper an Stücken von Holz hängt?"7
„Tatsächlich war die Septuaginta, die älteste existierende Übersetzung des Tanach, die erste, die das hebräische Wort mit „sie durchbohrten meine Hände und Füße" (im Griechischen wird dazu das Verb oryxan verwendet) übersetzte. Ihr folgte die syrische Peschitta zwei oder drei Jahrhunderte später (sie übersetzte baz'u). Nicht nur das, sondern die älteste hebräische Handschrift der Psalmen, die wir besitzen (aus den Schriftrollen von Qumran, die aus dem Jahrhundert vor Jeschua stammen), lesen das Verb in diesem Vers als ka'aru (nicht als ka'ari „wie ein Löwe"),8 eine Lesart, die auch in rund einem Dutzend mittelalterlicher masoretischer Manuskripte vorkommt und damit als maßgebender Text im traditionellen, jüdischen Denken verankert ist. Dort steht an Stelle von ka'ari (wie in fast allen anderen masoretischen Manuskripten) entweder ka'aru oder karu.9 (Hebräische Gelehrte nehmen an, dies komme von einer Wurzel, die „ausgraben" oder „durchbohren" bedeutet.) Somit übersetzt die älteste von Juden hergestellte Übersetzung (die Septuaginta) „sie durchbohrten"; die älteste jüdische Handschrift (vom Toten Meer) schreibt ka'aru, nicht ka'ari; und mehrere masoretische Manuskripte schreiben ka'aru oder karu anstatt ka'ari. Das ist also keine christliche Erfindung."10
Die Antimissionare versuchen, die Sache so darzustellen, als ob die christlichen Übersetzungen von Psalm 22,17 raffinierte, absichtliche Erfindungen enthalten, die den Leser an Jesus denken lassen sollen. Wir meinen aber, wenn das Beweismaterial dafür geprüft wird, dann gibt es hier keine raffinierten, absichtlichen Erfindungen. Wir geben offen zu, daß der Text von Psalm 22,17 - wie auch der gesamte Psalm - ganz sicher den Leser an Jesus denken läßt. Warum? Weil Er, der Messias Israels, genau alles das erfüllte, was über Seine Kreuzigung vorhergesagt wurde. Wir haben hier keine Manipulation des Textes, sondern wunderbare, göttliche Offenbarung.
1 Harris, R. Laird, Archer Gleason L., Waltke, Bruce M, Eds., Theological Wordbook of the Old Testament, (Chicago, IL: Moody Press) 1980
2 Walvoord, John F., and Zuck, Roy B., The Bible Knowledge Commentary, (Wheaton, Illinois: Scripture Press Publications, Inc., 1983, 1985), Logos Research Systems Electronic Edition
3 From the standard translation of William G. Braude, Pesikta Rabbiti: Homiletical Discourses for Festal Days and Special Sabbaths, 2 vols. (New Haven: Yale, 1968), pp. 680-81
4 Ibid., pp. 685-86
5 Ibid., 686-87. All of these citations can be found in the useful Internet article on Psalm 22 found on http://www.messianicart.com/chazak/ps22.htm.
6 It should be noted that the reading ka'ari, "like a lion", is not without problems, since there is no verb in this clause. In other words, the Hebrew literally reads, "like a lion my hands and feet," necessitating the addition of the words "they are at" in most contemporary Jewish translations. Thus, the NJPSV translates, "Like lions [they maul] my hands and feet" (with reference to Rashi and Isaiah 38:13 in the footnote). Cf. Rozenberg and Zlotowitz, The Book of Psalms, 122, 127. Stone translates, "Like [the prey of] a lion are my hands and my feet."
7 This observation undermines the claim of Rabbi Singer that "when the original words of the Psalmist are read, any allusion to a crucifixion disappears" (http://www.outreachjudaism.org/like-a-lion.html).
8 Cf. Martin Abegg Jr., Peter Flint, and Eugene Ulrich, eds. and trans., The Dead Sea Scrolls Bible: The Oldest Known Bible (San Francisco: Harper San Francisco, 1999), 519: "Psalm 22 is a favorite among Christians since it is often linked in the New Testament with the suffering and death of Jesus. A well-known and controversial reading is found in verse 16, where the Masoretic text has 'Like a lion are my hands and feet,' whereas the Septuagint has 'They have pierced my hands and feet.' Among the scrolls the reading in question is found only in the Psalms scroll found at Nahal Hever (abbreviated 5/6HevPs), which reads, "They have pierced my hands and my feet!"
9 In contrast with this, only one Masoretic manuscript reads ka'aryeh ("like a lion", 'aryeh is a variant spelling for 'ari, "lion"). Delitzsch (Psalms, 1039) points out this same form, and he notes that "perceiving this [difficulty of the translation 'like a lion' in the context], the Masora on Isa xxxviii. 13 observes, that k'ari in the two passages in which it occurs (Ps. Xxii. 17, Isa. Xxxviii. 13), occurs in two different meanings, just as the Midrash then also understands k'ri in the Psalm as a verb used of marking with conjuring, magic characters."
10 The exact evidence as documented in the standard edition of Kennicot and de Rossi lists seven Masoretic manuscripts reading k'rw, while three other manuscripts have the reading krw in the margins. It has also been pointed out by some scholars that the Hebrew word used for "lion" in Psalm 22:13[14] is the more common 'aryeh, making it more doubtful that a different form of the word, namely, 'ari, would be used just two verses later. Yet this is what the normative reading in the Masoretic manuscripts would call for.
DER VORWURF DER ANTI-MISSIONARE:
Johannes versucht, Jesus zu dem perfekten Opferlamm Gottes zu machen, das die Sünden der Welt trägt, und er will dies mit der jüdischen Passahfeier in Zusammenhang bringen. Er läßt Jesus sogar am Passatag sterben, während die anderen Evangelisten sagen, Jesus sei am Tage danach gestorben. Johannes 19,32-36 berichtet von Soldaten, die die Beine der Kreuzigungsopfer brachen und damit deren Tod beschleunigen wolten. Aber Jesus wurde davon ausgenommen, denn er war bereits gestorben. Dazu zitiert Johannes die hebräische Bibel und sagt:
„Denn das ist geschehen, damit die Schrift erfüllt würde: «Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen.»" (Das Neue Testament bezieht sich auf 2.Mose 12,46, 4.Mose 9,12 und Psalm 34,21.)
Beachten Sie, wie einfach Johannes die gesamte Bedeutung veränderte, indem er nur das Wort „es" (auf ein Tier bezogen) mit „ihm" (auf einen Menschen bezogen) wiedergab. 2.Mose 12,46 spricht vom Passaopfer: „und sollt keinen Knochen an ihm (dem Opfertier) zerbrechen." Auch 4.Mose 9,12 behandelt das Passaopfer: „sie sollen … auch keinen Knochen davon zerbrechen." Psalm 34,21 will David sagen, daß niemand wirklich gerecht und groß wird, ohne daß Gott an seinen Leiden Anteil nimmt, und er schließt daraus, „Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, daß nicht eines zerbrochen wird."
Es gibt keinen Hinweis darauf, daß der Psalm beabsichtigt, prophetisch zu sprechen oder auf Jesus anzuwenden ist. Jesus war körperlich disqualifiziert, um als Passaopfer zu gelten, denn an dem weiblichen Lamm durfte „kein Fehler" sein (2.Mose 12,5). Jesus aber war verwundet, ausgepeitscht und entstellt worden.
HADAVARS ANTWORT:
Bitte lesen Sie nach in unseren Ausführungen über Johannes 19,32-36 ist ein Beispiel für wörtliche Prophetie und typische Erfüllung (Rémes).
Wie bei Hosea 11,1 (vgl. Matthäus 2,15) ist dies gar keine eigentliche Prophetie. Hosea 11,1, 2.Mose 12,46 und 4.Mose 9,12 beziehen sich alle auf ein tatsächliches, geschichtliches Ereignis. Aber als messianischer Jude des ersten Jahrhunderts verstand Johannes das tatsächliche, geschichtliche Ereignis als die Vorausdarstellung von etwas Größerem. Das wirkliche Passalamm stellt das größere Lamm im voraus dar, nämlich den Messias. Johannes teilt uns sein Verständnis der Bedeutung des Passalamms mit. Die Erlösung aus Ägypten weist auf eine größere Erlösung hin, die Erlösung von der Sünde. Er bittet den Leser, auf das Passalamm von einem philosophischen, symbolischen Standpunkt aus zu blicken. Dabei versucht er nicht, irgendjemanden zu betrügen, sondern er arbeitet lediglich mit den anerkannten Auslegungsnormen seiner damaligen Gesellschaft. Diese Vorgehensweise ist bei den Rabbinen nicht ungewöhnlich.
Rémes wird akzeptiert als eine gültige Methode zur Bibelauslegung. Johannes verweist den Leser darauf, 2.Mose 12,46 und 4.Mose 9,12 zu beachten. Diese Verse sind annehmbar, um den Leser weiterzuführen. Wir stimmen dem Antimissionar zu, was Psalm 34,21 betrifft. Es gibt keinen direkten Hinweis des Neuen Testaments auf diesen Vers. Johannes 19,36 steht im direkten Bezug zu 2.Mose 12,46 und/oder 4.Mose 9,12, aber es ist kein Zitat von Psalm 34,21. Johannes mag Psalm 34,21 im Kopf gehabt haben, aber diese Stelle ist für sein Argument nicht notwendig.
Die Parallelstelle, die der Herausgeber einer modernen Bibelübersetzung angibt, ist nicht inspiriert und muß darum auf ihre Gültigkeit überprüft werden. Manche Leute verlieren ihre Selbstbeherrschung und ihr klares Urteilsvermögen, wenn es um die messianische Prophetie geht, und ihre Aussagen sind einfach nicht gerechtfertigt. Aber Psalm 34,20 kann möglicherweise auf Jesus angewendet werden, wenn man das Wort als Beispiel für die wörtliche Prophetie und Anwendung (Derásch) auffaßt. Wegen eines ähnlichen Gedankens könnte der Vers in der Textauslegung auf Jesus angewendet werden. Er war die Verkörperung eines gerechten Menschen, und seine Gebeine wurden nicht zerbrochen. Wir würden niemanden tadeln, der eine solche Verbindung herstellt, aber sie ist nicht erforderlich und vielleicht nicht einmal ein Teil der Argumentation des Johannes.
Wir stimmen dem Antimissionar nicht zu, wenn er meint, Jesus sei körperlich disqualifiziert gewesen, um als Passalamm zu gelten. Zuallererst sollte nach 2.Mose 12,5 ein männliches Lamm genommen werden und kein weibliches, wie der Antimissionar behauptet. Dieses Lamm wurde am 10. Nisan ausgewählt, untersucht und auf Mängel überprüft bis zum 14. Nisan, dem Tag seiner Opferung. Natürlich war es unversehrt bis zum Zeitpunkt seiner Tötung. Aber der Vorgang der Opferung, wobei seine Kehle durchgeschnitten wurde, hat es dann eindeutig mit einem körperlichen Makel versehen.
Parallel dazu zog Jesus am 10 Nisan als das perfekte Passalamm in Jerusalem ein (Matthäus 21, Markus 11 und Lukas 19) und wurde als Messias begrüßt. Dann wurde er von den Pharisäern, Sadduzäern, Schriftgelehrten und Herodianern bis zum 14, Nisan einer Prüfung auf Fehler unterzogen. Indem Er all ihre Fragen und Einwände beantwortete, zeigte Jesus, daß Er ohne Makel in Bezug auf Lehre und Charakter war. Dann feierte Jesus das Passamahl mit Seinen Jüngern, und danach begann der Prozeß, der zu Seiner Hinrichtung führte. Auch als Passalamm war Jesus ohne körperliche Mängel, bis Er getötet wurde. So war Jesus ohne körperliche, charakterliche oder lehrmäßige Fehler, bis der Vorgang Seines Tötens begann. Zweifellos wurde Er dabei verwundet, ausgepeitscht und entstellt. Das Durchschneiden der Kehle des Opferlamms ist die Parallele zu den Mißhandlungen, die Jesus zu erleiden hatte, und die schließlich in Seinem Sterben ihren Höhepunkt fanden.
Es hat viel Streit gegeben über die angebliche Differenz zwischen den Synoptikern und dem Evangelium des Johannes, was den Tag des Todes Jesu betrifft. Wir meinen, der beste Standpunkt dazu wird von dem großen messianisch-jüdischen Gelehrten Dr. Alfred Edersheim vertreten in seinem klassischen Werk Das Leben und die Zeit Jesu des Messias. Er stellt fest, daß alle vier Berichte miteinander harmonieren. Jesus feierte das Passafest.
Der strittige Punkt ist die Tatsache, daß die synoptischen Evangelien auszusagen scheinen, Jesus starb am 15. Nisan, während das Johannes-Evangelium der Ansicht ist, Er starb am 14. Nisan. Dr. Edersheim greift diese Kontroverse auf, und wir zitieren aus seinem Buch:
„Es wird berichtet, daß diejenigen, die Ihn brachten, nicht durch den Eingang des Palastes gingen, ‚damit sie nicht unrein würden, sondern das Passamahl essen könnten' (Johannes 18,28).
Wenige Bibelaussagen haben mehr Anlaß zum Streit gegeben als diese. Über zwei Dinge können wir wenigstens mit Sicherheit sprechen. Der Eintritt in ein heidnisches Haus machte levitisch unrein für den betreffenden Tag, und zwar bis zum Abend. Die Tatsache solcher Verunreinigung wird klar bestätigt, sowohl im Neuen Testament (Apostelgeschichte 10,28) als auch in der Mischna, obwohl die Gründe verschieden sein konnten (Ohal. 18.7; Tohar. 7.3).* Eine Person, die auf diese Weise levitisch unrein geworden war, wurde mit dem Fachausdruck Tevúl jom (‚Gebadeter des Tages') bezeichnet. Das andere, was sicher ist, ist folgendes: Wenn man auf diese Weise ‚unrein' für den Tag geworden war, so war man nicht disqualifiziert, das Passa-Lamm zu essen, denn an diesem Mahl nahm man erst nach dem Abend teil, wenn schon ein neuer Tag angefangen hatte. Es ist tatsächlich eindeutig festgelegt, daß‚ der Gebadete des Tages', also wer für den Tag unrein gewesen war und am Abend gebadet hatte, an dem Passamahl teilnehmen durfte. Ein Beispiel wird berichtet, wo einige Soldaten, die die Tore Jerusalems bewacht hatten und dabei ‚eingetaucht' waren, das Passalamm aßen. Daraus folgt, daß die Angehörigen des Hohen Rats nicht das Betreten des Palastes von Pilatus deswegen ablehnen konnten, weil sie sich damit für die Teilnahme am Passamahl verunreinigt hätten.
Die Sache ist bedeutsam, denn viele Schreiber haben den Ausdruck ‚das Passa' auf das Passamahl gedeutet und argumentiert, unser Herr habe gemäß dem vierten Evangelium nicht am vorausgehenden Abend am Passalamm Anteil gehabt, oder daß andernfalls der Bericht des vierten Evangeliums nicht mit den synoptischen Evangelien übereinstimme. Aus dem eben genannten Grund ist es aber unmöglich, den Ausdruck‚ Passa' mit dem Passamahl gleichzusetzen. Wir müssen nur untersuchen, ob der Ausdruck nicht auch für andere Opfer gebraucht wird. Und hier zeigen sowohl das Alte Testament (5.Mose 16,1-3; 2.Chronik 35,1.2.6.18) als auch die jüdischen Schriften*, daß der Ausdruck Pessach oder‚ Passa' nicht nur für das Passalamm, sondern für alle Passa-Opfer verwendet wurde, insbesondere für die sogenannte Chagigah, das Fest-Opfer (von chag oder chagag, das Festopfer darbringen, für gewöhnlich an jedem der drei großen Feste). Nach der eigens dafür geltenden Regel* (Chag. 1.3) wurde die Chagigah am ersten Tag des Passafestes dargebracht.* Es wurde sogleich nach dem Morgen-Gottesdienst geopfert und dann an diesem Tag auch gegessen, wahrscheinlich einige Zeit vor dem Abend, an dem - wie wir demnächst sehen werden - eine andere Zeremonie öffentliche Aufmerksamkeit erforderte. Darum können wir gut verstehen, daß die Angehörigen des Sanhedrin nicht am Passa-Abend, sondern am ersten Tag der Passafeiern eine Verunreinigung vermeiden wollten. Diese hätte bis zum Abend angehalten und hätte ihnen nicht nur die Unannehmlichkeiten einer levitischen Verunreinigung am ersten Festtag eingebracht, sondern sie hätte auch ihr Opfer an diesem Passatag, das Festopfer oder die Chagigah, verhindert. Denn wir haben diese zwei speziellen Regeln: daß eine Person die Chagigah nicht opfern konnte, wenn sie levitisch verunreinigt war; und daß die Chagigah nicht dargebracht werden konnte für eine Person, deren Stelle jemand anders einnahm.1
Zusammenfassend argumentiert Dr. Edersheim, daß alle Evangelien berichten, Jesus sei am 15. Nisan gekreuzigt worden. Die Verwirrung entsteht durch Kommentatoren, die nicht vertraut sind mit der jüdischen Ausdrucksweise und den Tempeldiensten. Der Fehler liegt darin, daß man den Ausdruck „Passamahl" in Johannes 18,28 nicht als Oberbegriff für alle Passaopfer einschließlich der Chagigah versteht. Johannes 18,28 bezieht sich auf die Chagigah. Die Chagigah wurde am 15 Nisan geopfert und von den Priestern später an diesem Tag gegessen. Die Chagigah ist das Opfer, das sie betrifft, und nicht das Passalamm (das Pessach auf hebräisch).
Mit diesem Verständnis wird der scheinbare Konflikt gelöst. Jesus starb am 15. Nisan. Darin stimmen alle vier Evangelien überein. Jesus entspricht dem Passalamm. Das Passalamm war männlich, es wurde Israel am 10. Nisan vorgestellt, bis zum 14. Nisan überprüft, ohne Mängel erfunden und getötet. Auch Jesus war männlich, wurde Israel am 10. Nisan vorgeführt, von der politischen und religiösen Führerschaft bis zum 14. Nisan überprüft, ohne Mängel erfunden und getötet.
Es verwundert nicht, daß die messianischen Juden des ersten Jahrhunderts Jesus als das wahre Passalamm ansahen: Apostelgeschichte 8,32ff.; 1.Petrus 1,19; Offenbarung Kapitel 5, 6, 7, 8, 12, 13, 14, 15, 17, 19, 21; 1.Korinther 5,7ff.
* Marginal note: Ohol. xviii. 7; Tohar. vii. 3
* The subject has been so fully discussed in Wieseler, Beitr., and in Kirchner, Jud. Passahfeier , not to speak of many others, that it seems needless to enter further on the question. No competent Jewish archaeologist would care to deny that "Pesach" may refer to the "Chagigah," while the motive assigned to the Sanhedrists by St. John implies, that in this instance it must refer to this, and not to the Paschal Lamb.
* Marginal note: Chag. i. 3
* But concession was made to those who had neglected it on the first day to bring it during the festive week, which in the Feast of Tabernacles was extended to the Octave, and in that of Weeks (which lasted only one day) over a whole week (see Chag. 9 a; Jet. Chag. 76 c). The Chagigah could not, but the Paschal Lamb might, be offered by a person on behalf of another.
1 Edersheim, Alfred, The Life and Times of Jesus the Messiah (electronic ed., 2002, E4 Group), p. 593
DER VORWURF DER ANTI-MISSIONARE:
In Matthäus 22,43 fragt Jesus die Pharisäer:
„Wie kann ihn dann David durch den Geist Herr nennen, wenn er sagt: «Der Herr sprach zu meinem Herrn …»?"
In Vers 45-46 fährt Er fort:
„Wenn nun David ihn Herr nennt, wie ist er dann sein Sohn? Und niemand konnte Ihm ein Wort antworten."
Das Neue Testament nennt dann Psalm 110,1, um diese Behauptung zu begründen.
Die Streitfrage ist hier die Aussage „Der HERR sprach zu meinem Herrn". In vielen englischen, neutestamentlichen Übersetzungen wird hier das Wort „Herr" (Lord) beidemal mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben, womit der HERR (J-H) gemeint ist. Die richtige Übersetzung aus dem Hebräischen ist jedoch „mein Meister" oder „mein Herr" in normalen Buchstaben: „Der HERR Gott sprach zu meinem Meister …". Das hebräische Wort adoni bezieht sich niemals auf Gott selbst an irgendeiner Stelle in der Bibel. Es wird nur verwendet, um eine Person oder den Titel einer Person zu beschreiben, nicht aber eine Gottheit. Im hebräischen Wörterbuch wird adoni als Herr oder mein Meister definiert.
Auch moderne englische Bibelübersetzungen geben adoni in Psalm 110,1 korrekt mit „mein Herr" (in normaler Schrift) wieder und bringen damit zum Ausdruck, daß hier nicht von Gott gesprochen wird. Die jüdische Bibel sagt „Der Herr sprach zu meinem Herrn …" und meint damit „zu meinem Meister".
HADAVARS ANTWORT:
Die Frage in Matthäus 22,41-46 ist: Wenn David den Messias Herr nannte, wie konnte der Messias dann Davids Sohn sein? David, der Ahnherr der davidischen Dynastie, sollte allen anderen Nachkommen übergeordnet sein. Wenn der Messias nur menschlich wäre (weil er ein Nachkomme Davids ist), dann würde er sich also mit Rücksicht auf David unterordnen.
Aber in Psalm 110 sehen wir, daß David sich der messianischen Person unterordnet. Warum? Wenn wir den Psalm 110 lesen, so ist es sehr wichtig, daß wir genau wissen, wer da zu wem redet. Im Hebräischen ist das kristallklar. Wir wollen versuchen, eine Verwirrung in unserer Sprache zu vermeiden, und werden den persönlichen Namen Gottes, das Tetragramm, als J-H wiedergeben, wobei J für den hebräischen Buchstaben Jod und H für das hebräische He steht.
Psalm 110 beginnt damit, daß David uns über ein Gespräch berichtet. Er ist Zuhörer bei einem Gespräch zwischen J-H und der messianischen Person. David wiederholt nun das Gespräch zwischen diesen beiden, das er mit angehört hat. Er sagt in Vers 1: „Ein Ausspruch, J-H zu meinem Herrn: Setze dich …". David nannte eben die messianische Person seinen Herrn, seinen Meister. Der Anti-Missionar hat ganz recht bei seiner Übersetzung des Verses. Jetzt müssen wir nachweisen, daß Psalm 110 messianisch ist.
Hier bieten wir einige Rückblicke in den jüdischen Hintergrund, die diese Position bekräftigen sollen.
Midrasch Rabba zu 1.Mose 18,1:
In der Zukunft wir Gott den Messias zu Seiner rechten Hand sitzen lassen, wie geschrieben steht (Psalm 110,1): „der HERR sprach zu meinem Herrn: «Setze dich zu meiner Rechten …»"
Midrasch Rabba, Genesis LXXXV,9:
… UND DEIN ZEPTER betrifft den königlichen Messias wie in dem Vers „Der HERR wird das Zepter deiner Macht ausstrecken aus Zion" (Psalm 110,2).
Midrasch Rabba, Numeri XVIII, 23:
… Dasselbe Zepter ist dazu bestimmt, in der Hand des Königs Messias gehalten zu werden (möge das schnell geschehen in unseren Tagen!), wie gesagt wird: „Der HERR wird das Zepter deiner Macht ausstrecken aus Zion. Herrsche mitten unter deinen Feinden!" (Psalm 110,2).
Artscroll Tenach Commentary Tehillim (Psalter):
Sforno sagt, daß dieser Psalm dem zukünftigen König Messias gewidmet ist. Er ist zur rechten Hand Gottes, und die dienenden Engel sind zu Seiner linken Hand. Die Heere von Gog und Magog werden angreifen, aber HaSchem wird sie unterwerfen, und sie kommen kriechend vor die Füße des Messias.
Was den Stab oder das Zepter von Vers 2 angeht, so versteht das der Midrasch Jelamdenu als einen Hinweis auf den hölzernen Stab, der zu vielen wundersamen Ereignissen im Laufe der jüdischen Geschichte gehörte. Dieser Stab wurde zuerst von Jakob benutzt, als er über den Jordan ging (1.Mose 32,11). Mose und Aaron verwendeten denselben Stab, um in Ägypten vor den Augen Pharaos Wunder zu tun (2.Mose 4,3; 7,10). David hielt ihn in der Hand, als er in den Kampf mit Goliath zog (1.Samuel 17,40). Er diente als Zepter in den Händen jedes Königs der davidischen Dynastie, bis der Tempel zerstört wurde. Dann war der Stab verschwunden. In der Zukunft wird er dem Messias enthüllt werden, und dieser wird ihn gebrauchen, um alle Nationen der Welt zu besiegen.
Bezüglich Vers 3 wird der Messias die Massen inspirieren, Seine Sache zu unterstützen.
Zu Vers 5 sagt Jalkut Schimoni: „In der Zukunft wird Gott den Messias zu Seiner rechten Hand setzen und Abraham zu Seiner linken."
Zu Vers 7: Nach dem Targum beschreibt dieser Vers den endgültigen Sieg, den alle Menschen des Glaubens herbeisehnen, denn Abraham, David und der Messias streben nicht nach Blut, sondern nach Wahrheit.
Alfred Edersheim (Life and Times of Jesus the Messiah, Appendix 9):
Vers 7 wird auch in Jalkut auf die messianische Zeit gedeutet, wenn Ströme vom Blut der Bösen fließen und die Vögel kommen, um es zu trinken.
Der offensichtliche Schluß daraus ist, daß Davids Herr die messianische Person ist. Warum sollte er sich dem Messias unterordnen? Ein Grund dafür besteht nach dem Zusammenhang darin, daß er den Messias zur rechten Hand Gottes sieht. Die rechte Hand war der Platz für Ehre und Gleichheit. Das deutet an, daß der Messias mehr als nur ein Mensch ist. Er ist ein Gott-Mensch. Ob der Anti-Missionar diesen Gedanken nun akzeptiert oder nicht, er muß zugeben, daß David den Messias zumindest als über ihm stehend ansieht.
Doch die Frage bleibt bestehen: Versuchen die Übersetzungen in das Neue Testament etwas hineinzulegen, was einfach nicht da steht? In den englischen Bibeln ist dafür die Schreibweise des Wortes „Lord" (Herr) maßgebend, das entweder mit großem oder mit kleinem L geschrieben wird. Die Regel, die den Anti-Missionar in diesem Zusammenhang beschäftigt, wird sorgfältig in dem Vor - oder Nachwort der betreffenden Übersetzungen erläutert. Zum Beispiel:
New American Standard Bible (NASB):
Der eigentliche Name Gottes im Alten Testament: In der Heiligen Schrift ist der Name Gottes äußerst bedeutsam, und das verstehen wir. Es ist unvorstellbar, an geistliche Dinge zu denken, ohne eine geeignete Bestimmung der höchsten Gottheit. Dem entsprechend ist der am häufigsten gebrauchte Name für die Gottheit das Wort „Gott", die Übersetzung des originalen Wortes Elohim. Einer der Titel für Gott ist „Herr", eine Übersetzung von Adonai. Es gibt noch einen weiteren Namen, der in besonderer Weise Gott zugeschrieben wird als Sein besonderer oder eigentlicher Name, das sind die vier Buchstaben JHWH (2.Mose 3,14 und Jesaja 42,8). Dieser Name wurde von den Juden nicht ausgesprochen aus Ehrfurcht vor der Heiligkeit des göttlichen Namens. Darum wird dieser Name beständig über setzt mit LORD (in deutschen Bibeln mit HEHERR, oder HERR). Die einzige Ausnahme zu dieser Übersetzung von JHWH gibt es dann, wenn es in unmittelbarer Nähe zu dem Wort „Herr" (Adonai) steht. In diesem Fall wird es regelmäßig mit GOTT übersetzt, um Unklarheit zu vermeiden.
Die NASB macht dem Leser sehr deutlich, daß der Name Gottes mit Großbuchstaben geschrieben wird, während das Wort Adonai als „Lord" (Herr) nur mit großem Anfangsbuchstaben wiedergegeben wird. So ist es üblicherweise auch in den deutschen Bibelübersetzungen. Die Regel ist damit erklärt, und wir erfahren auch, warum sie so ist, nämlich aus Respekt vor dem jüdischen Volk. Man versucht damit, die jüdischen, religiösen Überzeugungen zu berücksichtigen und zu achten.
New International Version (NIV):
Hinsichtlich des göttlichen Namens JHWH, allgemein bezeichnet als das Tetragramm, übernahmen die Übersetzer die Methode der meisten anderen Übersetzungen und schrieben den Namen „LORD" (HERR) in Großbuchstaben, um ihn damit von dem anderen, hebräischen Wort Adonai für „Lord" (Herr) zu unterscheiden, das nur mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben wird.
Also auch die NIV erklärt die Regel für den Leser. Man will niemanden damit betrügen. Dieser Gepflogenheit folgen alle Standard-Übersetzungen. Als Beispiel mögen folgende englischen Bibeln dienen, die den Psalm 110,1 entsprechend übersetzen: NASB, NIV, RSV (Revised Standard Version), ASV (American Standard Version), KJV (King James Version) und NKJV (New King James Version).
Alle diese Standard-Bibeln - und auch die deutschen Bibelausgaben - machen diesen Unterschied zwischen J-H und Adoni. Da im Vor - oder Nachwort erklärt wird, nach welchen Regeln die Übersetzung vorgenommen wurde, kann hier von einer Täuschung keine Rede sein. Eine sorgfältige Überprüfung, welche Standard-Übersetzung verwendet wird, ist jedoch in Ordnung.
Niemand pfuscht an dem Bibeltext herum. Man folgt lediglich einer Konvention, die von Anfang an in der jüdischen Gemeinschaft galt. So wird es aus Respekt für die jüdische Gemeinschaft auch fortgesetzt. Der Einwand des Anti-Missionars ist nur ein weiteres Beispiel dafür, wie man sich über Kleinigkeiten herumstreitet, und er ist gegenstandslos.
DER VORWURF DER ANTI-MISSIONARE:
„und (Jesus) kam und wohnte in einer Stadt mit Namen Nazareth, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch die Propheten". Erstens: Welcher Prophet sagt das? Zweitens: Nach den Gelehrten, Rabbinern und Historikern existierte die Stadt Nazareth nicht zu der Zeit, als die hebräischen Schriften entstanden. Das Wort „Nazareth" kommt nirgends in der hebräischen Bibel vor, wie es auch die Konkordanz des Neuen Testaments bestätigt. Aber das Wort „Nasiräer" gibt es in der hebräischen Bibel, und das meint eine besondere, jüdische Sekte.
Somit sind Nazareth und Nazarener christliche Wörter, keine hebräischen. Nazareth wird in außerchristlichen Quellen nicht vor dem vierten Jahrhundert erwähnt. Nasiräer sind eigentlich keine Sekte, sondern Leute, die ein persönliches Gelübde abgelegt haben, das für eine bestimmte Zeit lang wirksam ist. Während dieser Zeit darf derjenige sich kein Haar schneiden, keinem Leichnam nahe kommen, keine Trauben essen oder Wein trinken. Danach muß er im Heiligtum spezielle Opfer bringen und sein Haar abrasieren.
HADAVARS ANTWORT:
Zu Matthäus 2,23 lesen Sie bitte unsere Erklärungen unter „Die vier Methoden, mit denen die Brith Chadaschah (Das Neue Testament) die hebräische Bibel anwendet."
Jakob, du hast völlig recht, kein einziger Prophet sagt das, was hier in Matthäus 2,23 steht. Das hat zu allen möglichen Erklärungen von allen möglichen Leuten geführt. Diese Bemerkung ist für viele ein Rätsel.
Der Schlüssel für das Verständnis dieser Aussage des Matthäus ist die Mehrzahl bei dem Wort „Prophet". In all seinen vorhergehenden Hinweisen auf Erfüllungen der Schrift gebraucht Matthäus die Einzahl „Prophet" (Matthäus 2,5.15.17), aber hier gebraucht er die Mehrzahl. Das ist ein Beispiel für eine „wörtliche Prophetie und Summierung". Indem er die Mehrzahl braucht, sagt uns Matthäus, daß Vers 23 eine Summierung dessen ist, was von den Propheten gelehrt wurde. Wir haben hier ein Beispiel von „Ssod" vor uns.
Was lehrten die Propheten als Gruppe über den Messias? Eine der klaren Vorstellungen, die über den Messias gelehrt wurden, beschrieben ihn als eine verachtete und abgelehnte Person. Zum Beispiel Jesaja 53,3: „Er war der Allerverachtetste und Unwerteste." Von Nathanaels Bemerkung in Johannes 1,46 „Was kann aus Nazareth Gutes kommen!" geht deutlich hervor, daß Personen aus Nazareth verachtet wurden.
Du hast völlig recht, kein einziger Prophet hat diese Aussage gemacht. Das ist Summierung dessen, was die Propheten als Gruppe über den Messias lehrten.
Ich bin überrascht über deine Meinung, daß Nazareth damals nicht existierte. Die Encyclopedia Judaica gibt zu Nazareth folgendes an:
„Archäologisches Beweismaterial hat gezeigt, das diese Gegend bereits in der mittleren Bronzezeit besiedelt war, und es wurden Grabmäler gefunden, die von der Eisenzeit bis zur Zeit der Hasmonäer stammen."
Die mittlere Bronzezeit war etwa um 2000 vor Christus. Es scheint, daß Nazareth für lange Zeit bestand. Die Zeit der Hasmonäer dauerte von etwa 166 bis 63 vor Christus, oder mit anderen Worten, kurz bevor Jesus auf der Bildfläche erschien. Die Archäologen sagen, daß Nazareth eine jüdische Besetzung erfuhr, ehe das Neue Testament geschrieben wurde. Darum kann es nicht eine Stadt sein, die die Christen fabriziert haben, um ihre Geschichte von Jesus glaubhaft zu machen. Wenn auch eine Stadt klein und unbedeutend war und in der hebräischen Bibel nicht genannt wird, so heißt das doch nicht, daß sie nicht existierte. Dieses Argument wird einfach aus dem Schweigen der Bibel abgeleitet. Doch es muß Hunderte von kleinen, unbedeutenden Städten in Israel gegeben haben, die in biblischen Zeiten existierten, aber in der Bibel nicht erwähnt werden. Das heißt nicht, daß es sie nicht gab. Ich glaube, du solltest deine Quellen nennen für die Behauptung: „Die Stadt Nazareth existierte nicht zu der Zeit, als die hebräischen Schriften entstanden."
Ich denke, du nimmst es nicht so genau, wenn du sagst, diese christlichen Wörter seien keine hebräischen Wörter. Die Encyclopedia Judaica schreibt:
„die hebräischen und arabischen Wörter für die Christen (Nozeri, Nasrani) sind abgeleitet vom Namen der Stadt (Nazareth)."
Die Encyclopedia Judaica sagt genau das Gegenteil von dem, was du sagst. Du sagtest: „Nazareth und Nazarener sind christliche Wörter". EJ sagt, der hebräische Ausdruck für Christ, Nozeri, wurde vom Namen der Stadt abgeleitet, von Nazareth. Also muß der Name der Stadt Nazareth dem Ausdruck Nozeri vorausgegangen sein. Nazareth ist deshalb ein jüdisches/hebräisches Wort. Das stimmt überein mit der Tatsache, daß Nazareth schon eine jüdische Stadt war, bevor Jesus lebte, genau so, wie es das Neue Testament beschreibt.
EJ fährt fort:
„Nazareth bleibt in nichtchristlichen Quellen unerwähnt bis zum dritten oder vierten Jahrhundert, als es in einer Inschrift genannt wurde, die man in Caesarea fand und in der die priesterlichen Dienstzyklen und ihre Wohnsitze in Galiläa aufgelistet sind. Nach dieser Liste (reproduziert im 7. Jahrhundert in den liturgischen Gedichten von Kallir und anderen), war die Familie von Happizzez (1.Chronik 24,15) in Nazareth angesiedelt, dessen Name in dieser Quellenschrift von der Wurzel n-z-r (bewachen) abgeleitet wird. Von Hieronymus wird Nazareth als ein sehr kleines Dorf in Galiläa beschrieben (Onom. 141:3). Konstantin hat es vielleicht in das Gebiet von Helenopolis mit hineingenommen, das eine von ihm gegründete Stadt war. Aber im vierten Jahrhundert blieb Nazareth rein jüdisch."
Nach der Archäologischen Enzyclopädie des Heiligen Landes „lebten Juden in Nazareth nach der Zerstörung des zweiten Tempels, und es war der Wohnsitz der priesterlichen Familie Pises."
Es scheint, daß Nazareth eine lange Geschichte fortgesetzter jüdischer Besetzung hatte, sowohl vor wie auch nach Jesus. Der Nachweis deutet darauf hin, daß es zu diesen Zeiten ein unbedeutendes (verachtetes?) Dorf war, gerade so, wie es das Neue Testament berichtet. Schließlich geht aus diesen Quellen hervor, daß der Ort einen hebräischen Namen hatte. Kennst du irgendeinen anderen Namen für die Gegend um Nazareth herum? In diesem Punkt - und es steht dir frei, mir zu widersprechen - wird das Neue Testament durch die Beweise bestätigt.
Du hast recht, daß Matthäus 2,23 nicht einen Hinweis auf das Nasiräer-Gelübde darstellt. Ich stimme denen nicht zu, die diese Verbindung herstellen wollen. Das ist bestenfalls eine unsichere Schlußfolgerung, obwohl man sie in einer ganzen Anzahl von Kommentaren finden kann.